Diese Attacke macht sprachlos! Ein Plädoyer für verletzliche Momente bei starker Haltung

Sie schnürt einem den Hals zu. Lässt Schauer über den Rücken jagen und treibt Tränen in die Augen. Diese Ohnmacht, die man verspürt, wenn aus dem Nichts die geballte Ladung Hass über einen hineinbricht.

Genau das ist Ronja von Rönne (27) am gestrigen Abend passiert, mitten auf der Straße. Die Autorin und Bloggerin (Sudelheft) teilt den tätlichen Angriff jetzt auf Instagram und reißt uns mit in einen emotionalen Strudelaus Kampfgeist, Hilflosigkeit und verlorener Fassung. Wir alle können mitfühlen. Denn sie ist nicht die Einzige, die völlig unerwartet mit unangebrachten Kommentaren und übergriffigem Verhalten konfrontiert wird. Und doch macht kaum eine das so öffentlich, wie sie es gerade tut.

Vor allem, um mit aller Deutlichkeit aufmerksam zu machen. Weil es nicht einfach hingenommen werden darf, auf der Straße angemacht, begafft oder bedroht zu werden. Denn je „normaler“ so etwas mit der Zeit erscheint, desto leiser bleibt auch der Aufschrei.

(K)ein Abend wie jeder andere …?

Doch dieser Übergriff ist NICHT normal. Kein Übergriff ist jemals normal. Der Mann brüllt herum, bedroht von Rönne, das gesamte Filmteam von Arte, spuckt in Richtung der anwesenden Dragqueen Judy LaDivina und wird handgreiflich. Auf Instagram betont die attackierte Gruppe mehrmals, dass es für den Wutausbruch des Mannes keinerlei Auslöser gegeben habe: „Der Grund war buchstäblich, dass wir dort auf der Straße standen. Keine Worte, keine Blicke, kein Garnichts.“

Und obwohl sich alle Betroffenen im Video stark positionieren und gegen den Angreifer vorgehen, hinterlässt die Situation doch Spuren. Wie so oft. Wie könnte sie auch nicht?! Unauffällig kriecht die Angst in die Knochen, macht sich die Ohnmacht breit, überwiegt die Hilflosigkeit. Auch bei Ronja von Rönne. Bereits auf ihrem Nachhauseweg zeichnet sich ab, dass dieser Abend Verarbeitung benötigt. Eine Erkenntnis, die sie uns ebenfalls nicht vorenthalten möchte:

„Ich dachte ich bin tough und kann alles wegbügeln. Aber alle Ironie und Reflexion hilft nicht, der Angriff vorher hat mich drei Stunden später eingeholt. […] Ich rolle von Panikattacke zu Wutattacke. Das hier ist die tatsächliche Antwort auf Situationen wie die im letzten Post. Alte Angriffe kommen hoch. Das Gefühl von Machtlosigkeit, die dumpfe Ahnung, dass der Typ heute nicht gefasst wird. Die Enttäuschung über eine Welt in der Hass immer noch so viele Menschen regiert. Ich weiß, ich war tapfer in der Situation, aber gerade geht es mir einfach nur schlimm. Ich teile das, weil das [eben auch] die Realität ist. […]“

Ob nun wegen des Geschlechts, der Hautfarbe, der Herkunft, des Aussehens oder der Sexualität: Wut, Hass und Bedrohung hinterlassen Spuren. Unabhängig davon, wie couragiert und stark man sich gegen die Täter zur Wehr setzt. Es tut weh, macht wütend … und lässt vielleicht sogar ein wenig an dieser Gesellschaft zweifeln.

Schwäche zeigen trotz starker Gegenwehr

Obwohl wir natürlich wissen sollten, dass wir nicht alleine sind. Auch die veröffentlichte Geschichte von Ronja zeigt all diese Facetten mit bedrückender Ehrlichkeit. Sie ist stark, setzt sich ein, fällt dann doch in sich zusammen … und wird am Ende immer noch als die Stärkere hervorgehen. Weil sie Hass und Diskriminierung keine Chance gibt. Weil ihre Wut sich nicht in purer Angst entlädt, sondern auf einzelne Arschlöcher abzielt.

Berechtigte Wut. Für die sie Zuspruch erfährt. Von zahlreichen Followern auf Instagram, die all ihre Emotionen so sehr nachvollziehen können. Eben weil die Szene kein Einzelfall ist. Sondern viel wahrscheinlicher von den meisten (so ähnlich) schon selbst durchlebt wurde.

Dennoch zeigt auch dieser fatale Zwischenfall wieder: Starkes Auftreten zeigt Wirkung. Ein verletzliches Aufarbeiten aber auch. Wir sind nicht aus Beton, jeder von uns ist angreifbar. Aber gemeinsam sind wir mehr. Gemeinsam lassen wir solche Täter nicht gewinnen. Deshalb schließen wir in diesem Fall auch nur zu gerne mit den aufbauenden Worten von Judy LaDivina ab:

„Er hat es sich erlaubt, seine toxische, überhebliche Männlichkeit in unsere Richtung zu spucken. Er wollte uns brechen. Aber wir sind immer noch hier und wir gehen nirgendwohin. Wir werden nicht zulassen, dass er Erfolg hat.“

🙏

 

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