Schadet dieses Wort deiner Karriere?

Ist euch schon mal aufgefallen, dass wir Mädels dazu neigen, uns ständig zu entschuldigen – vor allem im Büro? Wir wollen immer „nur mal kurz“ fragen, „einfach nur“ wissen oder „eben nur“ gucken. Komisch, unserem Freund gegenüber sitzt der bestimmte Tonfall irgendwie besser.

Im englischen Sprachraum diskutiert man genau deshalb gerade heftig über das kleine Wörtchen „nur“ (engl. „just“). Denn mit den drei Buchstaben drücken wir mehr Unterordnung und Unsicherheit aus, als uns lieb ist. Und besonders tough und überzeugend kommen wir so auch nicht rüber, sondern eher wie das potenzielle „Mädchen für alles“ (geht gar nicht!).

Auch wir (und wir sind ja nun wirklich nicht auf den Mund gefallen!!!) erwischen uns immer öfter dabei, wie wir all unsere Worte mit Zuckerguss überziehen. Deshalb haben wir uns schnell Hilfe geholt. Nein, nicht DIESE Art von Hilfe, sondern von Bastian Sick – DEM deutschen Sprachexperten und Bestseller-Autor.

Du hast im Büro bisher nur Kaffee gekocht und kopiert? Ab heute wird man dir den Kaffee bringen. 

Gibt es noch ein deutsches Pendant zum englischen Wort „just“?

 

Bastian Sick: Na, und ob! Unsere Sprache bietet einen großen Reichtum an Füllwörtern. Ein berühmtes Beispiel ist „irgendwie“, dicht gefolgt von „total“. Die beiden gibt es oft im Doppelpack, wobei „total“ ja verstärken soll, während „irgendwie“ relativiert. Die beiden heben einander in der Wirkung auf: „Das ist irgendwie total interessant“ sagt eigentlich gar nichts.

Warum formulieren gerade Frauen ihre Aussagen immer so vorsichtig?

 

Bastian Sick: Die Natur der Frau ist weniger angriffs- und kampflustig als die des Mannes, das spiegelt sich auch in der Sprache wider. Unter Männern schwingt meist ein unterschwelliges „Wer von uns beiden ist der Stärkere?“ mit, nicht nur bei Vertragsverhandlungen, sondern in fast allen Situationen, in denen verschiedene Standpunkte offenbar werden.

Was ist ein absolutes Tabu in der beruflichen Kommunikation?

 

Bastian Sick: Unhöflichkeit, denke ich. Dazu gehört, anderen ins Wort zu fallen oder sie ihre Gedanken nicht zu Ende formulieren zu lassen. Wer zum Monologisieren neigt, sollte sich auch immer wieder vergewissern, dass der Gesprächspartner überhaupt interessiert ist und einem noch folgen kann.

Gibt es noch andere Worte, die man im Job besser vermeiden sollte?

 

Bastian Sick: Man sollte vor allem nur Wörter verwenden, von denen man sicher weiß, was sie bedeuten. Und die man auch beim Gesprächspartner als bekannt voraussetzen kann. In jeder Branche wimmelt es von Fachtermini und Modewörtern, die oft unreflektiert nachgeplappert werden. Wer souverän ist, der  braucht so etwas nicht.

Haben Sie Tipps, wie Frauen durch ihre Sprache sicherer im Job auftreten?

 

Bastian Sick: Das klingt wie „Fünf Tipps für eine schmackhafte Soße“. Mit der Sprache ist das aber nicht so einfach. Denn Sprache ist ein Teil unserer Persönlichkeit. Sie zeigt unseren Bildungsgrad an und spiegelt unser Naturell wider. Schnelligkeit kann manchmal eine gute Taktik sein, um andere „zu überfahren“, aber um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, genügen meist wenige, mit Überzeugung vorgetragene Worte.

Wie kann man Sie sprachlich beeindrucken?

Bastian Sick: Auf mich macht es immer großen Eindruck, wenn jemand hier und da mal einen Konjunktiv II einfließen lässt: „Ich wäre entzückt, wenn Sie mir das einmal aufschrieben.“ – „Was hülfe das?“ oder „So läse es sich besser“. Wer mir so kommt, hat meistens schon gewonnen. Nicht zwangsläufig in der Sache, aber auf jeden Fall meine Sympathie.

MERKEN!

1. Phrasen wie „Ich finde nur, …“, oder „Ich wollte nur sagen, …“ und „Es ist nur so, dass ….“ vermeiden

2. Niemals „irgendwie“ und „total“ in einem Satz verwenden

3. Nein, du bist nicht das schwächere Geschlecht

4. Du kannst auch mit wenigen Worten überzeugen

5. Trau dich an den Konjunktiv II

Credit: Giphy / Twentieth Century Fox / PR KiWi Verlag

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