Würdest du deinem Partner einen Gutschein für einen Seitensprung schenken?

„Sexpertin ist der Meinung, dass du deinem Partner zu Weihnachten einen ‚Cheat Pass‘ schenken solltest“ – Als wir kürzlich im Netz über diese Headline gestolpert sind, waren wir doch etwas überrascht und mussten kurz innehalten. 

Ein Freibrief für amouröse Abenteuer als Christmas-Geschenk? Macht man das jetzt so? Sind Socken und Schmuckstücke gerade out? 

Und wie dürfen wir uns das Ganze bitte überhaupt vorstellen? Hängt man dann seinen „Gutschein“ mit Zettelchen an den Tannenbaum und hofft, dass der Partner/ bzw. die Partnerin an Heiligabend nicht aus allen Wolken fällt? Oder bespricht man sein Special-Christmas-Present schon vorab? 😅

Ihr merkt schon, die Aussage einer Kulturkritikerin aus Amerika, Wednesday Martin übrigens ihr Name, will uns nicht mehr so recht aus dem Kopf gehen. Denn wie kommt man bitte zu so einem Statement? Ist dann doch etwas ungewöhnlich, oder? Und lasst euch an dieser Stelle gesagt sein: Wir haben von Beziehungsexperten – und Therapeuten wirklich schon so einiges gehört. Ein „Cheat Pass“ war definitiv noch nicht dabei. 

Ein „Cheat Pass“ als Lösung für alle Beziehungsprobleme?

Aber lasst uns die Sache vielleicht mal kurz erklären. Tatsächlich hat Martin, Autorin von Untrue, diese Aussage nämlich nicht einfach so gesagt. Ihrer Meinung nach sei ein Seitensprung MIT Absprache (genau hier liegt der Clue ☝🏻) vielmehr eine Möglichkeit, um eventuell Schlimmeres zu verhindern

Und mit Schlimmeres meint sie vor allem Affären, die nun mal streng genommen immer OHNE Absprache und mit jeder Menge Lügen im Hintergrund ablaufen. Eine „einvernehmliche Nicht-Monogamie“ könne dem gegenübergesetzt allerdings der Schlüssel zur Rettung einer Ehe oder Beziehung generell sein, so Martin.

» Viele Menschen glauben, dass ihre einzige Möglichkeit darin bestehe, monogam und unerfüllt zu leben. «
Wednesday Martin

Dabei bezieht sie sich auf eine Studie aus dem Jahr 2015, bei der einer von fünf britischen Erwachsenen angab, bereits eine Affäre gehabt zu haben. Das ist eine schreckliche Menge von Menschen, die mit Monogamie kämpfen und glauben, dass ihre einzige Möglichkeit darin bestehe, monogam und unerfüllt zu leben oder eine Affäre zu haben und zu beten, dass ihre Ehe dabei nicht in die Luft fliegt. Das wahre Geschenk wäre also, deinem Ehepartner die Erlaubnis zu geben, das Gespräch zu führen“, zitiert der Mirror Martin aus einem früheren Interview mit dem Telegraph.

Kann das funktionieren? Wir haben einen Experten gefragt

Gut und schön. Es mag ja sein, dass Menschen eigentlich nicht für die Monogamie gemacht sind. Frauen vielleicht noch weniger als Männer. Ja, auch darauf verwies Martin. Demnach würden wir Ladys nämlich schon sehr viel schneller die Lust und das Verlangen nach dem einen Partner verlieren als andersrum.

Aber ist ein Freibrief für einen Seitensprung deswegen die Lösung? Auch langfristig gesehen? Kann man diese Aussage so einfach unterschreiben?

Eine Frage, die wir auch Single-und Parship-Coach Eric Hegmann gestellt haben. Seine Antwort: Nein, nicht generell. Aber wer das durchaus kluge Buch ‚Untrue‘ von Wednesday Martin nicht nur auszugsweise liest, der kann diesen Vorschlag durchaus einordnen. Natürlich kann das nicht für jedes Paar funktionieren. Viele würden sich völlig bedroht und ungeliebt fühlen durch ein solches Geschenk und nicht einordnen können, was das bedeuten soll. Viele würden gewiss an der Beziehung zweifeln und sich fragen: ‚Schenkt er mir das, weil ich nicht gut genug bin (…)?‘, ‚Ist das ein Quid pro Quo Geschenk, weil er einen Freibrief zum Fremdgehen will?’“

So, und genau da fängt es doch schon an, oder? Natürlich sollte man seinen Partner mit der Zeit kennen, aber kann man sich tatsächlich sicher sein, dass SO ein Freibrief nicht doch falsch aufgenommen werden würde? Könntet ihr es, wenn ihr jetzt darüber nachdenkt? Und einmal den „Gutschein“ verschenkt – ob wie im Beispiel an Weihnachten oder auch zu jedem anderen Zeitpunkt – , kann man die Sache auch nicht mehr zurücknehmen. Dann steht dieses Thema im Raum… und kann nicht mal eben wieder aus dem Kopf des Partners wegradiert werden.

Zumal auch Hegmann sagt: „Es sind sehr wenige Paare, die ihre Beziehung öffnen, das ist nicht in der Mitte der Bevölkerung als Beziehungsmodell angekommen – zumindest nicht die ehrliche offene Beziehung.“ 

» Heimlichkeiten führen zu Trennungen. «
Eric Hegmann

Wir sollten uns also vielleicht ein Stück weit von dem „Cheat Pass“ distanzieren und vielmehr darüber nachdenken, was hinter der Idee steckt. Nämlich die offene Kommunikation zwischen zwei Menschen. Ehrlichkeit. Das A und O in einer funktionierenden Beziehung. 

„Ein Paar, das offen über seine Fantasien und Bedürfnisse sprechen kann, kann diese auch verhandeln und ausleben. Heimlichkeiten führen zu Trennungen, und darum geht es Wednesday Martin ja. Und diese These wird durch die Forschungen von Esther Perel in ihrem Buch ‚Die Macht der Affäre‘ beispielsweise bestätigt. Es ist vor allem Distanz, die Partner in Affären treibt. Und die geschieht durch Heimlichkeiten, durch unerfüllte Sehnsüchte, die nicht ausgesprochen werden können. Sich nicht verbunden zu fühlen, führt irgendwann dazu, den Wunsch nach Verbindung außerhalb der Beziehung zu suchen“, erklärte uns der Paarberater in diesem Zuge weiter im trèsCLICK-Interview. 

Und ja, DAS tut dann richtig weh. Wenn man plötzlich erfährt, dass man hintenrum schon über Wochen hintergangen wurde. Da kommt einem so ein abgesprochener Seitensprung fast schon charmant vor… irgendwie.

Außerdem verwies Hegamann in unserem Gespräch auch auf ein paar ziemlich vielsagende Zahlen: Mehr als 90 Prozent aller Verheirateten halten Monogamie für wichtig, aber beinahe die Hälfte davon gibt zu, Affären gehabt zu haben. Dagegen würden rund 40 Prozent der Betrogenen ihrem Partner einen einmaligen Ausrutscher verzeihen. Die Chancen, dass ein abgesprochener Seitensprung nicht zum Beziehungsaus führt, stehen also statistisch gar nicht so schlecht.“

Und trotzdem gilt auch hier: Was für den einen funktioniert, kann für den anderen das absolute Desaster sein. Jedes Paar muss seine eigenen Regeln machen. Doch schon hier fängt der Struggle ja an: Wer die Beziehung öffnen will, der muss das für sich und den Partner passende Modell verhandeln. Das ist nicht einfach. Es gibt dafür kein Drehbuch. (…) Es gibt so viel zu klären und besprechen – das ist wohl auch der Grund, weshalb die meisten Paare die geheime Affäre vorziehen, also Unehrlichkeit und Betrug, um der Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Grundsätzlich aber denke ich: Wer denkt, das Gras auf der anderen Seite des Zauns sei grüner – der sollte erst einmal den eigenen Rasen besser pflegen.“

Das lassen wir jetzt mal so stehen und werfen abschließend nochmal die Frage in den Raum: Würdest du deinem Partner einen Gutschein für einen Seitensprung schenken?

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