Das machen glückliche Menschen anders als du

Es gehört zu den größten Zielen des Lebens: glücklich sein. Doch was ist Glück? Bist du glücklich? Muss man immer glücklich sein, um ein glücklicher Mensch zu sein? Gehört es nicht auch dazu, auch mal mies drauf zu sein?

Falls du dich das auch schon mal gefragt hast, bist du hier genau richtig! Hier geht es um ein Wort, das dich der ganzen Suche nach dem Sinn und Glück ein richtig gutes Stückchen näher bringen könnte. Serendipität!

Serendip-was? Ja, so habe ich auch auf das Wort reagiert, als ich es das erste Mal gehört habe. Da ich es aber nicht von irgendwem hörte, sondern von einem alten Schulfreund, war ich gleich interessiert. Und es zeigte sich, dass es sich lohnt, bei diesem Thema genauer hinzugucken: Nicht umsonst hat Christian dem Phänomen ein ganzes Buch gewidmet. In dem Buch geht es darum, wie man seinem Glück gezielt auf die Sprünge helfen kann.

Serendipität lässt sich schwer in einem Satz beschreiben, allerdings ist es so etwas wie mehrere glückliche Zufälle, die von einer Person erkannt und erfolgsbringend richtig verknüpft wurden. Ihr wollt ein Beispiel? Naja: mein Schulfreund heißt Christian. Ich hab ihn länger nicht mehr gesehen, er wohnt mittlerweile in New York und durch Zufall bin ich auf seinen Instagram-Account gestoßen. Dann habe ich alles richtig verknüpft und – ta-dahhh – ein super Interview für euch mit ihm geführt. Na, wenn das kein Glück ist? 😉 Lest selbst!

trèsCLICK: Wie kamst du auf die Idee des Themas für dein Buch?

Christian: Es hat mich schon lange fasziniert, wie man Serendipität – diese unvorhergesehenen glücklichen Zufälle, die oft unser Leben verändern – nachhelfen kann. In meinem Leben als Community Builder, als Unternehmer, und nun als Wissenschaftler war Serendipität überall present. Und was ich spannend fand war, dass die erfolgreichsten, spannendsten, und sinngetriebendsten Leute etwas gemeinsam hatten: Sie haben intuitiv die Bedingungen geschaffen, dass für sie und Leute um sie herum diese Form von “Glück” einfach irgendwie öfters passiert.

Das Buch kam aus dem Willen heraus, dies auch einem breiterem Publikum verfügbar zu machen – und zu zeigen, dass diese Leute nicht unbedingt einen “besseren Plan” haben, wie uns in der Schule und in der Uni immer erzählt wird. Anstatt unerwartete Dinge als Kontrollverlust zu sehen, sehen diese Leute jede Situation als eine Möglichkeit. Jeder, der eine längere Karriere hatte, weiß, dass viele der Stationen unerwartet kamen – aus einer zufälligen Konversation mit einer alten Freundin, einem Artikel, den wir zufällig gelesen hatten. Aber natürlich tun wir dann beim nächsten Vorstellungsgespräch so, als ob alles klar geplant war und zusammen hängt. Aber in Wahrheit war es einfach viel Zufall – aber wir können diesen Zufällen eben ein bisschen nachhelfen.

Wie wir uns in einer schnell wandelnden Welt für diese positive Zufälle vorbereiten können – und dann das Beste draus machen können – das finde ich super spannend. Als jemand, der in der Schule ein Jahr wiederholen musste etc., gibt es mir sehr viel Hoffnung, dass es eben viele verschiedene Wege nach Rom gibt, selbst wenn man die ein oder andere Abfahrt verpasst hat – und dass man ja vielleicht gar nicht nach Rom will.

Kannst du den Begriff Serendipität mit einem anderen Wort erklären oder braucht es dafür einen ganzen Satz?

Ich würde es als “kluges Glück” beschreiben. Es ist nicht das “blinde Glück” (wie z.B. in einer positiven Umgebung geboren zu werden), sondern ein aktiver Prozess, für den wir arbeiten müssen. Es ist nicht nur „Ich habe Dich zufällig im Supermarkt getroffen”.

Dieses unerwartete Event ist nur der Start – worum es wirklich geht, ist, Punkte zu verknüpfen (“connecting the dots”). Vielleicht erzählst Du mir im Supermarkt, dass Deine Freundin gerade damit angefangen hat, ein Unternehmen zu bauen, und gerade händeringend nach einem Mitarbeiter sucht, der Arabisch spricht. Ich habe jetzt die Wahl: Ich kann das einfach so hinnehmen, oder ich kann überlegen, womit sich das verknüpfen lässt: beispielsweise, dass ein Freund von mir gerade in einer Headhunting Agentur angefangen hat, die auf den mittleren Osten spezialisiert ist, und genau die richtige Person haben könnte. Wenn jetzt basierend auf unserer Introduction jemand von Deiner Freundin angestellt wird, war es “glücklich”, dass wir uns im Supermarkt getroffen haben und dass genau diese Position da war, für genau die richtige Person, die mein Freund kannte. Aber dieser glückliche Zufall basierte dann auf unserer Fähigkeit, das Unerwartete zu sehen – und etwas damit zu machen, es mit etwas zu verknüpfen.

Gibt es in deinem Leben ein Beispiel für diese Phänomen?

Unzählige – vor allem auch zu Zeiten von höherer Unsicherheit und Ambiguität wegen COVID-19, in denen Brauereien auf einmal anfangen, ihren Alkohol für Hand-Desinfektionsmittel zu benutzen, oder Design-Unternehmen kreative Masken produzieren. Sie verknüpfen ihre Fähigkeiten kreativ mit einem neuen, unerwarteten Problem – was ihnen dann hilft, finanziell zu überleben.

» Das macht Serendipität so interessant: Jemand sieht etwas Unerwartetes, verknüpft es mit einem Problem – und hat die Hartnäckigkeit, das weiter zu verfolgen. «
Christian Busch

Aber mein Favorit ist immer noch Sildenafil: Als britische Wissenschaftler zu erforschen begannen, wie Herzprobleme wie Angina geheilt werden können, hatten sie nicht erwartet, von einer Ausbuchtung begrüßt zu werden, als sie den Zustand ihrer männlichen Patienten untersuchten. Sildenafil sollte helfen, Angina zu heilen, aber männliche Patienten hatten auf einmal eine Erektion. Die Forscher waren überrascht. Was würden die meisten Menschen in ihrer Situation tun? Vielleicht einfach als peinliche Nebenwirkung der Behandlung akzeptieren? Oder einfach ignorieren? Oder einen anderen Weg entwickeln, um Angina zu heilen, der diese unbeabsichtigte Nebenwirkung vermeidet? Die drei Forscher haben keines dieser Dinge getan. Stattdessen sahen sie die Möglichkeit, ein Medikament zu entwickeln, das erektile Dysfunktion heilen könnte. Viagra – eine der erfolgreichsten Erfindungen aller Zeiten – wurde geboren.

Was hier passiert ist, ist was Serendipität so interessant macht: Jemand sieht etwas Unerwartetes, verknüpft es mit einem Problem – und hat die Hartnäckigkeit, das weiter zu verfolgen. Wenn wir zurück schauen, scheint es wie ein “Zufall” – aber es war eben wichtig, dass wir das Unerwartete sehen, und mit etwas Relevantem verknüpfen.

Was ist deiner Meinung nach der größte Fehler, den viele Menschen in ihrem Leben machen?

Sich in eine Box zu stecken oder stecken zu lassen. Faszinierende Experimente haben zum Beispiel gezeigt, dass Leute, die sich als “Glücks-anziehend” identifizieren, mehr Glück haben als solche, die sich als “Unglück-anziehend” bezeichnen (“Ich habe immer Unfälle”; “ich ziehe immer den Kürzeren”; etc.) – selbst, wenn sie mit der genau gleichen Situation konfrontiert sind!

In einem Experiment von einem britischen Wissenschaftler, zum Beispiel, wurden zwei Leute (einer, der sich als “sehr Glücks-anziehend” identifiziert, eine die sich als “sehr Unglücks-anziehend” bezeichnet) selektiert. Sie wurden beide gebeten, die Straße herunterzulaufen, in das Café am Ende der Straße zu gehen, einen Kaffee zu bestellen, und sich an einen Tisch zu setzen. Was ihnen nicht gesagt wurde, war, dass versteckte Kameras die Straße und das Café filmten, das ein fünf Pfund Schein vor dem Eingang des Cafés liegen würde, und dass es in dem Café nur noch einen Sitz gab: neben einem super-erfolgreichen Geschäftsmann, der Träume verwirklichen kann.

Was passiert? Die “glückliche” Person läuft die Strasse herunter, sieht den 5-Pfund-Schein, hebt ihn auf, geht in das Café, bestellt sich einen Kaffee, setzt sich neben den Geschäftsmann, und hat eine gute Unterhaltung, Business Cards werden ausgetauscht. Die “unglückliche” Person geht die Straße herunter, tritt über den 5-Pfund-Schein, bestellt sich einen Kaffee, und ignoriert den Geschäftsmann. Am Ende des Tages werden beide – die theoretisch den gleichen Tag/die gleiche Situation hatten! – gefragt, wie denn ihr Tag so war. Der “Glückliche” sagt, er hatte einen tollen Tag: Er fand Geld auf der Strasse, hatte tolle Konversationen und einen neuen Freund (und möglicherweise eine neue Opportunity – aber das wissen wir nicht). Die “unglückliche” Person meint nur: “Ist nix passiert heute”.

» Die Botschaft – dass man in jeder Situation, selbst in der größten Krise, Sinn finden kann – ist unglaublich befreiend. «

Das habe ich in unserer Forschung auch viel gesehen: Dass der Weg, wie wir uns selber sehen, ob wir glauben, dass wir unser Schicksal in unserer eigenen Hand haben, einen grossen Teil bestimmt, wie wir unser Leben gestalten können. (Aber natürlich gibt es immer Ungleichheit etc., deswegen kann man da keinen in die Ecke stellen!) Wir haben zum Beispiel viel in Kenia und Südafrika geforscht – dort sieht man oft, dass, wenn Leute die Hoffnung und Würde bekommen, selber etwas auf die Beine zu stellen, Serendipität öfters passiert. Dann werden alte Garagen auf einmal Trainings-Zentren; ehemalige Drogen-Dealer werden zu Lehrern, etc.

Was ist dein ultimativer Tipp fürs Glücklich-Sein?

Viktor Frankl’s “Search for Meaning” lesen. Die Botschaft – dass man in jeder Situation, selbst in der größten Krise, Sinn finden kann – ist unglaublich befreiend. 🙏 Dann sieht man, dass jeder unerwartete Fehler eine tolle Möglichkeit ist, zu lernen, und etwas daraus zu machen.

Aber auch tägliche Praktiken einzuführen, die zu mehr positiven Zufällen führen. Zum Beispiel die “Hooks” Strategie: Wenn jemand fragt “Was machst Du beruflich”, statt nur zu antworten “Unternehmer”, können wir sagen “Ich habe ein fashion startup gegründet, aber lese gerade viel über Philosophie, und hab gerade mit Klavier angefangen.” Wir geben der anderen Person hier drei verschiedene potentielle Verknüpfungspunkte, wo sie sagen könnte, “so ein Zufall, ich habe auch gerade mit Klavier angefangen, lass uns seine Matinee zusammen machen”. Je mehr potentielle “Berührungspunkte” wir entwickeln, desto mehr können andere die Punkte für uns verknüpfen.

Gibt es über dein Buch hinaus noch weitere Bücher oder Filme, die man lesen oder sich ansehen kann?

Richard Wiseman’s “Luck Factor” ist spannend: Er hat anhand vieler Experimente gezeigt, wie oft man Glück übersehen kann, und umgekehrt. Ich finde auch “Der Kleine Prinz” klasse – den lese ich alle paar Jahre, um mich dran zu erinnern, nicht die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu vergessen – und das innere Kind (und die “naiven Fragen”) zu bewahren. In einer Welt, in der wir oft Profit und Geld als Massstab sehen, finde ich es immer sehr hilfreich, mich darauf zu besinnen dass am Ende des Tages – wenn wir dann irgendwann kurz vor dem Sterben sind – andere Dinge mehr zählen als materielle Sachen.

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Mehr Information (auf Englisch):

– Buch: The Serendipity Mindset: The Art & Science of Creating Good Luck (Penguin Random House): https://bit.ly/2U8HVmo

– Präsentation (American Psychological Association): https://www.youtube.com/watch?v=RykaAg7eT3s

Über die Person/Dr. Christian Busch:

Christian unterrichtet an der New York University (NYU) und der London School of Economics (LSE). Er leitet das CGA Global Economy Program an der NYU, und war vorher der Mit-Leiter des Innovationszentrum an der LSE. Er ist der Author des Buches “Serendipity Mindset: The Art and Science of Creating Good Luck” (Penguin Random House, 2020), das Arianna Huffington als “wise, exciting, and life-changing book” beschreibt. Er hat Startups und Communities wie das Sandbox Network und Leaders on Purpose mitgegründet, und ist Mitglied des Expertenrates des Weltwirtschaftsforums (WEF). Er lebt mit seinem Laptop in New York. Twitter: @ChrisSerendip.

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