Très Click
16.05.2017 von Très Click

Kolumne: Wie es wirklich ist, sich in NYC einen Mr. Big angeln zu wollen

Deborah Landshut hat uns ja als unsere offizielle NYC-Korrespondentin die allerallerneuesten Fashion-Week-Trends gezeigt, uns mit zu den leckersten Brunch-Spots genommen und mit dem coolsten Tätowierer gesprochen. Und das war noch lange nicht alles: Ab sofort wird sie uns mit einer monatlichen Kolumne über alles, was ihr so im Big Apple passiert, auf dem Laufenden halten. Von crazy Dating-Storys, über krasse Realitätscrashs bis zu den Backstreet Boys ist alles dabei …

#EmpireStateOfMind: Mein Carrie-Life ist ein Doppelleben

ein Text von Deborah Landshut

Jeder, zumindest jede Frau – einschließlich mir – denkt an „Sex and the City“, wenn sie an New York denkt. Obwohl ich inzwischen selbst im Big Apple lebe, ziehe ich mir vor dem Schlafengehen sämtliche alte Folgen rein und träume von dem Leben von Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda. Soweit bin ich mittlerweile gar nicht mehr davon entfernt. Nur eben, dass mein Leben in New York real ist. Und das bedeutet, dass es mindestens genauso viele Ups wie Downs gibt. Und, dass man eben auch mal die Bahn nehmen muss – zusammen mit den Ratten.

Wie ich in meiner ersten Kolumne schon berichtet habe, ist vor allem das Finanzielle in New York so ungefähr der wichtigste Faktor. Und den vergessen Carrie & Co. ganz gern. Gefühlt jede Folge wird im besten Restaurant der Stadt gegessen, im coolsten Club gefeiert und bei Bergdorf’s geshoppt – selbst sind die Frauen und deshalb wird auch selbst bezahlt. Verdienen die alle 30.000 Dollar netto im Monat? Nur Carrie ist ab und an mal pleite, aber auch nur, weil sie bei Manolo wieder nicht Nein sagen konnte. #firstworldproblems.

Ehrlich gesagt, kommen die meisten Mädels mit Carrie-Träumen nach New York. Unabhängig voneinander erzählten mir zum Beispiel meine beiden chinesischen Mitbewohnerinnen, dass sie New York nicht mehr aushalten und sie dachten, alles sei so, wie in „Sex and the City“, bevor sie hier herkamen. Sie erlitten einen Realitäts-Crash. Ich entgegnete ihnen, dass New York nur mit ausreichend Geld Spaß macht – oder, man muss halt die richtigen Leute kennen.

» Jeder richtig heiße Mann kann auch zehn richtig heiße Frauen haben. Und auch die weniger heißen Typen haben eine riesige Auswahl an tollen Mädels, schlicht, weil sie Typen und so rar sind. «

Letzteres trifft glücklicherweise auf mich zu. Da ich, bevor ich hergezogen bin, schon einmal hier gelebt habe und danach mindestens zweimal im Jahr hier war, um Freunde und Familie zu sehen, habe ich mir ein Netzwerk aufgebaut. Ich kenne die besten Restaurants, Bars und Clubs der Stadt, die Leute, die für sie arbeiten und die Bouncer an der Tür. UND: Ehrlicherweise haben es gut gekleidete (und damit meine ich nicht nur Gucci & Prada from head to toe) und attraktive Frauen (und das sind auch die meisten, wenn sie sich etwas Mühe geben wollen) im New Yorker Nachtleben ziemlich leicht. Hier gibt es nämlich eine strikte, wenn auch inoffizielle Policy in jedem Club, die besagt, dass der Frauenanteil mindestens bei 60-70 Prozent liegen muss. Und hier gehen wir auch den Machern von „Sex and The City“ auf den Leim …

Denn SO einfach, wie in der Serie, ist es mit den Männern gar nicht. Die 30 Prozent, die es dank dickem Portemonnaie oder den richtigen Kontakten an der Tür endlich reingeschafft haben, haben auch die volle Auswahl an überaus attraktiven Frauen, ach, was sage ich – Models! Sie beherrschen hier das Nachtleben. Und auch die Männer. Zu diesem Thema gab es übrigens auch mal eine „Sex and the City“-Folge. Was ich sagen möchte: Klar, die Stadt ist voll von Männern aber noch voller an Konkurrenz. Jeder richtig heiße Mann kann auch zehn richtig heiße Frauen haben. Und auch die weniger heißen Typen haben eine riesige Auswahl an tollen Mädels, schlicht, weil sie Typen und so rar sind.

Das führt allerdings auch dazu, dass der New Yorker Mann per se selbstbewusster ist und sich auch traut, Frauen anzusprechen. Beim Joggen, morgens auf der Straße beim Kaffeeholen und selbst die rote Ampel im Auto wird genutzt, um Fußgängerinnen anzuquatschen. Sogar erfolgreich! Kein Scherz, alles schon so passiert. Mir selbst oder meinen Mädels.

» Mal sitze ich mit meiner Schwester und den Girls im neuen In-Restaurant Megu im Meatpacking, wir trinken Wein und tauschen uns über Relevantes und Triviales aus, mal stehe ich in meiner versifften Küche im East Village und koche Nudeln mit Tomatensauce. «

Und hier kommen wir zum nächsten Punkt: Auch der Austausch an Dating- und Sex-Stories ist bei den Frauen hier so viel normaler, ehrlicher und auch witziger. Die Amerikanerinnen nehmen nur wenige Blätter vor den Mund und auch jede international zugezogene New Yorkerin wird schnell offener. Im wahrsten Sinne des Wortes. Erst neulich saß ich mit den Mädels beim Brunch und musste sie alle drei Minuten kurz daran erinnern, dass wir nicht alleine in der Craftbar am Flat Iron sitzen. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass wir das halbe Restaurant mit Worst-Sex-Stories, lautem Gerede und Lachanfällen sehr gut unterhalten haben, kommt ab und an meine deutsche Spießigkeit durch, die mir zumindest sagt, dass diese Geschichten den Rest des Restaurants schlicht nichts angehen. In solchen Momenten muss ich aber auch wieder schmunzeln und an Carrie und ihre Mädels denken.

Mein Carrie-Life ist allerdings ein Doppelleben: Mal sitze ich mit meiner Schwester und den Girls im neuen In-Restaurant Megu im Meatpacking, wir trinken Wein und tauschen uns über Relevantes und Triviales aus, mal stehe ich in meiner versifften Küche im East Village und koche Nudeln mit Tomatensauce. Auf Vorrat, versteht sich. Mal sitze ich hergemacht um zwei Uhr nachts, umzingelt von schönen Frauen, an einem mit Champagner- und Wodka-Flaschen bedeckten Tisch im Tao oder in der Box, mal stehe ich eine halbe Stunde in Sneakers in der Schlange vor der Bar 310 Bowery und überlege mir, ob ich mir noch ein Bier für neun Dollar leisten kann. Mal sitze ich für die Vogue auf den Fashion Weeks Frontrow und werde von den PR’s hofiert, mal, bzw. direkt davor und danach, hetze ich mit Blasen am und zu Fuß, mit dem Taxi oder Uber Pool durch die Stadt zur nächsten Show, weil mir noch immer keiner eine verdammte Limousine bereitstellt. Noch bin ich eben keine Carrie. Aber auf dem besten Wege dahin…

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