„Antiflirting“ prangert sexuelle Belästigung im Netz an – und wir sollten diesen Kampf alle unterstützen

Wir sagen es, wie es ist: Der gestrige Tag steckt uns noch ziemlich in den Gliedern. Plötzlich war es schließlich in aller Munde, dieses eine Video über sexuelle Belästigung. Verschiedene Frauen haben dabei 15 Minuten Live-Sendezeit auf ProSieben genutzt, um diese Thematik so prominent wie vielleicht nie zuvor in die deutschen Wohnzimmer zu bringen.

Das erschreckende daran? Uns haben die Zahlen und Geschichten zwar geschockt… aber dann doch nicht wirklich überrascht. Viel zu sehr ist es für Frauen zum Alltag geworden, online wie offline, irgendwie belästigt zu werden. Die unangebrachte Berührung hier, ein unerwünschtes Bild da, die unaufgeforderte Sexting-Nachricht direkt hinterher. Sexuelle Belästigung findet tagtäglich statt. Oftmals so selbstverständlich, dass es trotz aller Leidensgeschichten kaum überhaupt einen Aufschrei gibt.

Doch genau damit muss Schluss sein! Keine Frau sollte sich jemals (wieder) schuldig fühlen müssen, weil ihr etwas angetan wurde. Keine Frau sollte sich jemals (wieder) mit einem „Hab dich nicht so“ abspeisen lassen. Wir alle sollten nie wieder ‚Schweigen‘ vor lauter Scham als einzigen Ausweg sehen.

Ein Instagram-Account will genau dafür sensibilisieren … schon lange bevor das Video zu „Männerwelten“ den Mainstream gecrasht hat. Mit Postings, für die wir vorab bereits eine ernste Trigger-Warnung aussprechen müssen. Und die doch so wichtig sind, dass wir hier und heute unbedingt mit euch darüber sprechen wollen. Um einmal mehr klarzustellen: Jedes Gefühl hat seine Berechtigung. Keine Belästigung ist jemals ‚zu klein‘, ‚zu harmlos‘, ‚zu lustig gemeint‘, um einfach hingenommen zu werden.

Der Account „Antiflirting“ macht Belästigung im Netz sichtbar

Auch virtuelle Belästigung ist Belästigung! Und, oh wow, genau die passiert so zahlreich, dass es uns fast augenblicklich wieder die Kehle zuschnürt. „Bock auf meinen Schw*nz in deinem Gesicht?“, scheint dabei nur einer von vielen beliebten Gesprächsanfängen zu sein. Und uns…? Lassen die geteilten Chat-Verläufe von „antiflirting2“ nicht selten vollkommen sprach- und hilflos zurück. Ja, sie alle haben genau so tatsächlich stattgefunden. Und nein, die Täter scheinen sich nur selten ihrer Schuld bewusst zu sein.

Es sind einige wenige Ausschnitte der großen ganzen Realität … und doch verstören bereits sie uns zurecht so nachhaltig. Da macht es auch keinen Unterschied mehr, ob die Konversation zuvor mit einem netten „Hey, wie geht’s dir?“ begonnen wurde. Wer anderen Menschen ohne deren Einwilligung explizite Nachrichten aufdrängt, der macht sich zum Täter. Wer kein „Nein“ als Antwort versteht, der begeht einen sexuellen Übergriff. Sowohl online, als auch offline.

Betroffenen muss Gehör verschafft werden

Lasst uns die Sache also mal beim Namen nennen: Jede dieser Nachrichten ist eine Form der sexuellen Belästigung. Und entsprechend strafbar! Keine Frau muss solche Übergriffe schweigend über sich ergehen lassen. Niemand sollte sich dafür schämen, betroffen zu sein.

„Antiflirting“ stellt genau deshalb auch eine so wichtige Plattform dar. Betroffene können sich austauschen, werden verstanden und ernst genommen. Denn nur durch Sichtbarmachung und Sensibilisierung entsteht ein Diskurs. Viel zu oft wird sexuelle Belästigung im Netz bisher noch als Banalität abgetan.  Nicht nur, weil sie tagtäglich passiert. Sondern vor allem auch, weil sie viel zu selten überhaupt als solche wahrgenommen wird. Genau dagegen kämpft Antiflirting an. Genau deshalb teilt Antiflirting all diese Chat-Verläufe. Und wir? Stehen dabei nur zu gerne an ihrer Seite. 🙏

Diese Nachrichten triggern … und müssen dennoch thematisiert werden

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