So ist es, wenn man Straßenhunden in Rumänien hilft

„Das Einzige, das wirklich nachhaltig gegen die Flut an Straßenhunden wirkt, ist Kastrieren!“

Die Shelter der Tierschütze sind überfüllt, die Tierheime platzen aus allen Nähten und täglich ziehen Hundefänger weiter übers Land, um streunende Tiere gegen Bezahlung einzufangen und sie zu töten: Seit Jahren schon kämpft Rumänien mit der sich stetig vermehrenden Anzahl von Straßenhunden und -katzen. Obwohl die Tiere seit 2013 sogar gesetzlich getötet werden dürfen, sinkt die Zahl nicht.

Kein Wunder, denn nicht allein die Tiere auf der Straße vermehren sich unkontrolliert. Besonders die Besitzertiere laufen in der Regel unkastriert frei herum und so kommen Jahr für Jahr neue Genrationen an Welpen hinzu, die verstoßen, misshandelt, überfahren werden, oder aber irgendwann in einem der überfüllten Heime enden und getötet werden.

Wir haben mit Tierschützerin Sandra Pfaffinger gesprochen und sie nach Lösungsansätzen zum Tierelend in Rumänien befragt. Die Hundetrainerin und ehemalige Dolmetscherin lebt seit zwei Jahren in Rumänien und engagiert sich seitdem für Kastrationsprojekte.

„Wie kamst du zu deinem Engagement?“

Sandra Pfaffinger: Ich war schon immer eine große Tierfreundin; früher als Kind ging ich mit den Hunden in meiner Umgebung Gassi und vor fünf Jahren habe ich mich zur Hundetrainerin ausbilden lassen. In Rumänien konnte ich das Leid der Tiere hier auf den Straßen einfach nicht mit ansehen. Anfangs habe ich nur verletzte Tiere mit zu mir nach Hause genommen, doch ich merkte schnell, dass das nicht genug ist. Ich habe dann erfahren, dass hier im Land durch Spenden finanzierte Kastrationsprojekte durchgeführt werden. Da wollte ich gern mitmachen.

„Wie hilfst du den Straßenhunden?“

Wenn ich weiß, dass an einem Ort Straßenhunde sind, schaue ich regelmäßig nach, wie es den Tieren geht. Werden sie mit Futter versorgt, sind sie verletzt? Wenn die Tiere unterernährt sind, bringe ich ihnen Futter. Oft lassen sich auch Menschen finden, die in der Nachbarschaft der Tiere leben, und sie mit Futter versorgen, dann gebe ich den Menschen das Futter. Meine Hauptaufgabe aber ist, die Bevölkerung über die Vorteile einer Kastration aufzuklären, damit sich die Tiere nicht mehr weiter so unkontrolliert vermehren. Inzwischen klappt das erfreulicherweise sehr gut, und wir bekommen täglich Anfragen von Menschen, die sich Kastrationen nicht leisten können. Die übernehmen wir dann. 

„Wie gehen die Menschen hier in Rumänien mit Straßenhunden um?“

Straßenhunde sind grundsätzlich nicht erwünscht. Das soll jetzt nicht heißen, dass überall böse Menschen sind, die  Tiere quälen – der Tierarzt, mit dem ich zusammenarbeite und die Tiere ehrenamtlich kastriert, ist ja auch Rumäne und eine unglaublich gute Seele. Grundsätzlich sind die meisten Menschen freundlicher zu den Tieren auf der Straße, wenn sie wissen, dass sich die Tiere nicht weiter vermehren. Dann akzeptieren sie die Straßenhunde oder füttern sie sogar.

„Wie geht ihr bei den Kastrationen vor?“

Ich kümmere mich erst eine Weile um die Straßenhunde und sorge dafür, dass sie Vertrauen zu Menschen gewinnen. Dafür füttere ich sie erst einmal an. Später nehme ich sie dann in meinem Wagen mit und sie werden zum Tierarzt gebracht, der sie kastriert. Mircea, der rumänische Tierarzt, mit dem ich zusammenarbeite, hat seit zwei Monaten einen eigenen Kastrationswagen, einen Krankenwagen, in dem man direkt operieren kann. Die Hunde werden minimalinvasiv operiert und sind in der Regel schon wenige Stunden nach der OP wieder auf den Beinen.

„Was passiert nach der Kastration?“

Nach der OP beobachten wir die Hunde noch ein bisschen, dann werden sie zurück ausgesetzt. Tiere, die gefährdet sind, weil sie in Gebieten leben, in denen Hundefänger unterwegs sind, oder weil sie verletzt sind, werden natürlich nicht wieder frei gelassen, die behalte ich oder vermittle sie ins Ausland. Allein durch die Weitervermittlung von Tierschutzhunden ins Ausland lässt sich das Problem hier in Rumänien aber leider nicht lösen. Langfristig helfen da nur Kastrationen.“

„Was geschieht danach mit den Straßenhunden?“

Wenn die Straßenhunde wieder in Freiheit sind, gucke ich regelmäßig, ob bei ihnen alles okay ist und bringe ihnen Futter vorbei. Die Tiere können auch in Freiheit gut leben, sie kennen es ja nicht anders.

„Wie entscheidest du, ob ein Tier gerettet werden muss oder ob es in Freiheit leben kann?“

Wenn das Tier in der Freiheit keine Chance hat, nehme ich es mit, so einfach ist das. Das sind meistens Welpen oder verletzte Tiere. Auch Mircea, der rumänische Tierarzt, mit dem ich zusammen arbeite, nimmt immer wieder mal ein Tier mit zu sich.

„Wie viele Hunde hast du inzwischen?“

Ich habe sechs eigene Hunde und fünf Katzen. Momentan sind fünf weitere Hunde bei mir zur Pflege; für die suche ich aber nach einem Zuhause.

„Ist das nicht eine sehr kostspielige Leidenschaft?“

Auf jeden Fall! Allein für Hundefutter gebe ich momentan 300 Euro im Monat aus, dazu kommen ja noch die Benzinkosten bei den Kastrationen, Operationen, die ich privat bezahle und ständig neue Leinen, Geschirre und Transportboxen für die Tiere. Trotzdem tue ich es gern. In der Zeit als ich hier noch nicht im Tierschutz aktiv war, konnte ich nachts kaum schlafen, weil ich ständig an irgendeinen Welpen denken musste, den ich tagsüber am Straßenrand gesehen hatte.

„Wie kann man euch unterstützen?“

Wenn jemand unsere und andere Kastrationsprojekte unterstützen will, kann hier gern eine Kastration gespendet werden.

Credits: Giphy

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