Das passiert mit unserem Gehirn, wenn wir stundenlang durch Social Media scrollen

Wie sieht unser Alltag aus, jetzt gerade, wo so viel der gewohnten Normalität nicht mehr stattfinden kann? Keine Konzerte, weniger Treffen mit Freunden, kaum Bar-Besuche, Shopping-Ausflüge nur im Ausnahmefall. Unser Leben beschränkt sich oft tagelang auf die eigenen vier Wände.

Doch was für die Gesellschaft im Kampf gegen die Corona-Pandemie nach wie vor unabdingbar ist, wird für uns als Einzelpersonen schnell mal zur belastenden Herausforderung. Auf einmal verbringen wir unsere Zeit vor Netflix, der Konsole, dem Smartphone. Noch häufiger, als wir das ohnehin schon tun. Gerade das kleine Mobiltelefon wird zum ständigen Begleiter. Hier mal eine Nachricht gelesen, da mal Instagram gecheckt… und plötzlich sind mehrere Stunden vergangen. Aber kann dieses Nutzungsverhalten wirklich noch gesund sein?!

Das ständige Scrollen, Informieren, Berieseln lassen. Ein nicht enden wollender Kreislauf aus Bildchen, News und der perfekter Online-Inszenierung. Denn sind wir mal ehrlich: Bei vielen von uns ist die Bildschirmzeit in den letzten Wochen sicherlich erheblich angestiegen. Laut Informationen von Facebook kann in Italien beispielsweise für Instagram und WhatsApp ein Nutzungsanstieg von rund 70 Prozent seit Ausbruch der Pandemie verzeichnet werden.

Was macht diese Dauernutzung aber nun mit unserem Gehirn?

Neurologe Dr. Clifford Segil erklärt in einem Interview mit „Bustle“ dazu: „Gerade soziale Medien aktivieren mehrere Bereiche des Gehirns gleichzeitig. Vor allem die visuellen Verarbeitungsbereiche werden stark stimuliert, während gleichzeitig eingehende Informationen, Geräusche und Musik interpretiert werden. Es werden also ähnliche Regionen aktiviert, die es auch benötigt, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf kognitive Aktivitäten wie z.B. das Lesen eines Buches konzentrieren. Genau deshalb kann es schnell mal passieren, dass wir stundenlang scrollen, weil der Verstand sich bereits so auf den Instagram-Feed eingerichtet hat.“

Gleichzeitig sorgt der Ausstoß von Dopamin und Serotonin aber auch für die Aktivierung unseres Belohnungssystems. Wir machen schließlich das, worauf wir Lust haben – und werden vom Gehirn entsprechend belohnt. Das Problem dabei? Man gewöhnt sich an dieses ‚gute Gefühl‘, das sich anfangs beim Klicken durch hunderte Story-Schnipsel einstellt – und will mehr davon. Also scrollen wir länger… und langfristig unbefriedigter (mehr dazu hier).

Denn letztlich wird unsere Aufmerksamkeit dabei dann eben doch wieder von etwas in Anspruch genommen, das uns alleine und ausgelaugt zurücklässt. Gerade in Ausnahmesituationen kann das gefährliche Auswirkungen auf unser Bewusstsein haben. Dr. Segil bestätigt:

„Soziale Medien stimulieren gleichzeitig auch unser limbisches System, das für die Steuerung der emotionalen Reaktionen verantwortlich ist. Die zahlreichen Reize verstärken unsere Emotionen – gute wie schlechte – und lassen uns oft gestresst und angreifbar zurück. Viele fühlen sich in dem Strom aus Nachrichten gefangen, sind davon überwältigt und schaffen es trotzdem nicht, sich davon zu lösen.“

Macht uns dieses Scrollen also überhaupt glücklich?

Obwohl durch den Griff zum Smartphone in unserem Kopf zunächst also die Produktion von Glückshormonen angeregt wird, kann die dauerhafte Benutzung unseren Stress, der sich ohnehin schon aufstaut, noch verstärken. Das Gehirn ist unter Dauerbeschuss – viel zu häufig ohne Ruhepause. Wichtig ist da wohl vor allem, sich genau diese Tatsache immer wieder vor Augen zu führen. Denn nicht das Smartphone selbst ist der Teufel. Es sollte bei vielen von uns eben einfach wieder deutlich bewusster eingesetzt werden. Nicht nur, um durch Instagram zu scrollen. Sondern stattdessen vielleicht lieber einmal mehr, um sich mit den liebsten Menschen auseinanderzusetzen. Da kann uns auch die Neuropsychologin Dr. Sanam Hafeez abschließend wohl nur Recht geben:

„Jede Aktivität, die uns in diesen Zeiten sicher und verbunden fühlen lässt, kann einen positiven Effekt haben. Weil so die Angst und Isolation, die wir empfinden, verringert wird. Soziale Interaktionen können entscheidend dazu beitragen, dass unser Verstand mit den verwirrenden Zeiten, in denen wir leben, besser zurechtkommt. Endloses Scrollen dagegen? Kann uns nur unnötig in weitere Panik versetzen.“

Merke: Lieber mal wieder der Family schreiben 🤗🥰

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