Brauchen wir echt eine Fleischsteuer?! Die ehrlichen Werbeflyer von Greenpeace sprechen dafür…

Kommt sie nun, oder kommt sie nicht? Wird das was, oder bleibt weiter alles beim Alten…? Wenn es um die Versteuerung bestimmter Lebensmittel und sogenannter Luxusgüter geht, ist die Debatte im Bundestag meist ein einziges Hin und Her. Vor und zurück. Hoffnung und Nachsicht.

So auch bei der Thematik um die Bepreisung von Fleischprodukten. Am vergangenen Freitag kam vom Bundesrat erneut die Forderung auf, eine Tierwohl-Abgabe einzuführen, die sich auf die (verbesserte) Haltung von Nutztieren auswirken soll. Die Idee dahinter: Mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent auf tierische Produkte würde der Landwirtschaft mehr Geld zur Verfügung stehen, die sie in größere Stallungen und eine bessere Versorgung investieren können.

Alternativ stehen auch eine Verbrauchssteuer von 47 Cent pro verkauftem Kilo Fleisch oder ein Aufschlag auf die Einkommenssteuer im Raum. Während von der letzten Möglichkeit alle Steuerzahler*innen gleichermaßen betroffen wären (auch die, die gar kein Fleisch kaufen), würden sich die ersten beiden Vorschläge ganz gezielt auf den Preis von Wurst- und Fleischwaren im Supermarkt niederschlagen.

Ein Vorstoß, der für Empörung sorgt – und gleichzeitig doch so dringend nötig wäre. Denn unter den aktuellen Tiefpreisen leiden nicht nur die gehaltenen Tiere, sondern auch zahlreiche Landwirt*innen. Fleisch ist schlichtweg zu billig. 1,95 € für eine Packung Kalbskotelett – wie soll dabei jemand etwas verdienen? Oder gar auf das Tierwohl Rücksicht nehmen?!

Doch anstatt die wahren Kosten eines jeden Stücks aufzuschlüsseln und einzukalkulieren, unterbieten sich viele Supermarktketten weiterhin mit Sonderangeboten und sinkenden Preisen. Für Greenpeace ein Grund mehr, mit ehrlichen „Werbeanzeigen“ auf die Problematik hinzuweisen.

Greenpeace prangert mit ehrlicher Werbung Supermarktketten an

In ihren „Angeboten der Woche“, die jede*r von uns als Zeichen des Protests an Supermärkte versenden kann, wird auf Tierleid und schlechte Löhne hingewiesen. Aber auch auf massive Waldrodungen und das damit verbundene Artensterben.

Fleischkonsum ist zu einer der umweltschädlichsten Maschinerien geworden… und grenzt gleichzeitig so beispiellos an Selbstverständlichkeit. Wer sieht schon noch das verdreckte Tier im engen Stall vor sich, das mit Antibiotika am Leben gehalten wird, wenn er oder sie vor der gut gefüllten Wursttheke steht? Wer will sich schon Gedanken machen, bei einem Hammerpreis von gerade mal 2,55 €?!

Tierische Produkte haben ihren Preis

Eine konsequente Maßnahme, um die Tiefpreise wieder auf ein realistisches Maß anzuheben, könnte die Politik mit einer zeitnahen Entscheidung bieten. Durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer etwa. Denn Fleisch ist (im Gegensatz zu Periodenprodukten!) definitiv ein Luxusgut, von dem ganz bestimmt nicht jeder Mensch 60 Kilogramm im Jahr verspeisen muss (ja, das ist tatsächlich der deutsche Durchschnitt).

Mit einem höheren Preis sollten natürlich keineswegs Benachteiligungen für bestimmte Personengruppen entstehen. Stattdessen muss das verstärkte Bewusstsein der Gesamtgesellschaft im Fokus stehen – um die Massen und den exzessiven Konsum begreifbarer zu machen, den wir tagtäglich als grundgegeben hinnehmen.

Jede Scheibe Wurst, jedes Kilo Hack trägt eine Geschichte der Ausbeutung mit sich. So schwer diese Realität auch zu verkraften sein mag. Und natürlich muss deshalb nicht jede*r sofort den Kauf all dieser Produkte boykottieren. Dennoch sollte es wohl zumutbar sein, dafür auch einen angemessenen Preis zu zahlen. Damit wir wieder zu einem wertschätzenden, gesunden Maße zurückfinden. Und hoffentlich zu faireren Bedingungen – für Mensch und Tier. Denn genau das ist offensichtlich verloren gegangen… irgendwo auf dem Weg zum Supermarkt-Regal.

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