Mareike Freier
09.05.2017 von Mareike Freier

Monsterwellen-Surferin Maya Gabeira: „Meine Stärke habt ihr auch alle, Mädels!“

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Unerschrocken bezwingt Ausnahme-Surferin Maya Gabeira die größten Wellen der Welt, trotzt den unglaublichen Naturgewalten, die sie mit einem Wimpernschlag unter sich begraben könnten. Ein Horror-Szenario, das im Oktober 2013 Wirklichkeit wurde: Maya erlitt im portugiesischen Nazaré den schwersten Rückschlag ihres Lebens. Eine 30 Meter hohe Welle wurde der Brasilianerin zum Verhängnis und kostete sie um ein Haar das Leben. Nur der Hilfe ihres Surfpartners und eines gut gelaunten Schutzengel ist es zu verdanken, dass Maya heute da steht, wo sie gefühlt immer stand: auf dem Surfbrett. Très Click traf die Powerfrau, Soulsurferin und Botschafterin von Fa zum Interview und sprach mit ihr über ihren ungebrochenen Willen, weiterzumachen – entgegen aller Widerstände und ungeachtet der Kritik männlicher Kollegen. Was Maya immer wieder antreibt und warum sie denkt, dass ihre mentale Kraft in jedem von uns steckt …

Im Oktober 2013 bist du während eines Surfausflugs fast gestorben – an welchem Punkt war dir klar, dass du wieder Riesenwellen reiten würdest?

Ich habe niemals daran gedacht, aufzuhören. Diese Frage hat sich mir gar nicht gestellt. Das Einzige, was ich wusste war, dass ich niemals wieder in diese Situation kommen wollte. Das war klar. Meinen Sport aufzugeben war aber zu keiner Zeit eine Option.

Was hat dir die Stärke gegeben weiterzumachen?

Ich denke, meine Leidenschaft und Hingabe waren ausschlaggebend. Ich kannte schon immer das Risiko beim Surfen. Der Unfall war nicht das erste Ereignis, das ich überwinden musste. In meinem Sport machst du immer wieder schlechte Erfahrungen, die du überwinden musst. Du stehst immer kurz davor, eine schlimme Verletzung davonzutragen oder zu ertrinken. Dieser Fall war zwar extrem, aber ich war doch in gewisser Weise darauf vorbereitet, dass das passieren könnte.

Hast du Angst vor dem Tod?

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(überlegt lange) Ich weiß es nicht. Ich weiß, wir werden alle eines Tages sterben. Es stellt sich nur die Frage woran und wie friedlich der Übergang sein wird. Ich finde es ist nichts, vor dem man Angst haben sollte.

» Das Unglück hat mir den Tod sehr realistisch vor Augen geführt. «

Hat sich deine Einstellung zum Tod seit deinem Unfall verändert?

Vieles hat sich seitdem in mir geändert. Das Unglück hat mir den Tod sehr realistisch vor Augen geführt. Das musste ich erst einmal verdauen und das hat sehr viel Zeit gekostet. Gleichzeitig ließ es mich das Leben noch mehr wertschätzen. Was da passiert ist, gehört aber eben auch zu meinem Sport. Deswegen wollte ich es auch nicht zu nah an mich rankommen lassen. Vieles von dem, was ich an dem Tag da draußen erlebt habe, habe ich niemals verarbeitet. Denn wenn ich zu viel darüber nachdenke, bekomme ich Angst vor dem Surfen. Ich musste loslassen, um mich wieder neu zu konzentrieren, mein Selbstbewusstsein zurückzuerlangen und die Kraft zu haben, das zu tun, was ich immer tue: Surfen.

Hast du dir jemals eine Grenze gesetzt – wenn dies oder das passiert, höre ich auf? Für immer?

Nein, ich hoffe, dass ich noch surfen werde bis ich sehr sehr alt bin – vielleicht bis 80 (lacht). Na gut, also als Profi werde ich wohl eher früher als später aufhören, so mit 35, 36. Danach, so hoffe ich, werde ich weiterhin mit dem Sport verbunden sein – in Form von TV-Jobs, Shootings … Dinge, die ich heute ja auch schon sehr gerne mache.

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Du hast einmal gesagt, dass du zu Beginn deiner Karriere herausstachst, nur weil du eine Frau warst. Wie hat sich das angefühlt?

Am Anfang toll, denn ich bekam sehr viel Aufmerksamkeit und die Anerkennung, weil ich herausstach. Das war die Grundlage für meine Profi-Karriere und all die Möglichkeiten, die sich mir daraufhin boten. Aber wenn du anfängst, Fehler zu machen – selbst wenn sie mit denen von männlichen Kollegen vergleichbar sind – erntest du auch viel Kritik. Vielleicht weil du die einzige Frau bist, vielleicht weil dich die Männer nicht dabei haben wollen …

Wie reagierst du auf solche Kommentare?

Das macht mich natürlich traurig. Und dann schüttele ich es ab und mache weiter. Auf der anderen Seite macht es mich aber auch besser. Es motiviert mich, dran zu bleiben und mich zu beweisen. Klar wäre ich gerne die Athletin, der alle immer auf die Schulter klopfen für ihre Leistungen. Aber vieles von dem, was ich heute bin, ist aus solchen kritischen Stimmen geboren.

Wenn jemand sagt, ich sei schlechter als ich eigentlich bin, versuche ich besser zu sein, als ich bin. Ich denke, man kann Kritik auch in etwas Gutes verwandeln.

Nehmen dich deine männlichen Kollegen ernster, jetzt, da du vielleicht sogar größere Wellen als sie surfst?

Das Level, auf dem meine männlichen Kollegen surfen ist viel höher als meines. Davon abgesehen glaube ich aber schon, dass mich einige ernster nehmen. Andere werden eine Frau in ihrem Umfeld auch die nächsten Jahre nicht akzeptieren. Im direkten Austausch zeigen sie normalerweise viel Respekt. Was passiert, wenn ich mich umdrehe und nach Hause gehe, kann ich nicht kontrollieren. Aber das interessiert mich dann auch nicht mehr.

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Du bist in deinem Sport super eingespannt. Kannst du eigentlich auch mal so richtig faul sein?

In meiner Freizeit? Auf jeden Fall! Ich verlasse das Haus nicht mehr und schaue den ganzen Tag Netflix (lacht). Nach vier Wochen Training will ich aber auch einfach mal gar nichts tun und einfach mal nur daliegen.

Du hast dir schon ungefähr zehn Mal die Nase gebrochen, viele Narben erinnern dich an all die Abenteuer, die du erlebt hast. Und du siehst so toll aus! Was bedeutet Schönheit für dich?

Ich fühle mich am besten, wenn ich perfekt in shape bin, wenn ich schmal und stark bin. Wenn das Training gut läuft, dann stellt sich das automatisch ein – das ist also eine gute Kombi. Ich fühle mich am schönsten, wenn ich draußen bin und Sport mache. Selbst wenn das bedeutet, dass die Hälfte meiner Haare verliere und meine Haut durch die Sonne schneller altert. Ich mag nicht blass und top frisiert zu Hause sitzen.

Ist es eigentlich schwer einen Partner zu finden, der Verständnis für deinen Job hat? Mit den vielen Reisen und Gefahren, die lauern?

Ja, es muss schon jemand sein, der damit zurechtkommt, dass wir uns über Monate hinweg nicht sehen. Niemand führt so ein Leben wie ich, in dem es solche Zeitpläne gibt – manchmal bin ich über Monate hinweg in Brasilien beim Training. Ich habe deswegen auch lieber Leute um mich, die durch ihr eigenes Leben schon sehr unterhalten werden. Das funktioniert am besten. Oder er ist selbst Surfer – das macht vieles einfacher.

Deine Stärke und Toughness sind unglaublich inspirierend für andere Frauen. Was würdest du jenen raten, die vor großen Herausforderungen zurückschrecken?

Mir selbst fällt das nicht schwer, weil das für mich der Weg ist, um zu wachsen. Ich nehme all diese unbequemen Momente in Kauf, weil ich denke, dass ich etwas daraus ziehen kann. 

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Die glücklichen Erlebnisse waren nicht das, was meinen Charakter geformt hat, sondern die harten Zeiten, die Herausforderungen, das Unbehagen. Ich denke, es gibt nie das eine ohne das andere. Diese Dinge kann man nicht von sich wegschieben, weil sie wichtig sind.

» Dann legst du alle Schüchternheit hab und setzt dich durch. «

Und wenn eine Frau zu schüchtern ist, diesen Weg zu verfolgen?

Ich bin sehr schüchtern! (lacht)

Wirklich?

Jaaaaa. Und ich habe es trotzdem geschafft. Ich bin nicht für Menschen gemacht, sondern für das Meer. Aber ja, ich denke, das ist der Trick. Etwas zu finden, das es wert ist. Dann legst du alle Schüchternheit hab und setzt dich durch. Und auch unabhängig davon, was Männer mal sagen. Das hörst du dir an und ziehst deine Schlüsse daraus.

Hast du einen ultimativen Power-Tipp für andere Frauen?

Tu etwas, das du wirklich liebst. Ich denke, das ist das, was uns ausfüllt – nicht ein Partner, sondern eher eine Leidenschaft, die wir für etwas empfinden. Meine Stärke habt ihr auch alle, Mädels! Ihr müsst sie nur finden.

Liebe Maya, danke für das schöne Gespräch!

Die neue Pflegeserie „Flower me up“ von Fa

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Mehr über: Surfing, Surferin, Meer, Maya Gabeira, Fa, Monsterwellen
Credits: David Gauffin
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