Miriam Schell
18.01.2022 / Update: 19.01.2022 von Miriam Schell

„Time Confetti“? Was das ist – und warum wir uns deswegen oft so ausgelaugt fühlen

Mein letzter Sonntag sah in ungefähr so aus: Ich bin morgens gegen 10 Uhr aufgestanden, hab mir meinen Kaffee gekocht und mich dann gemütlich mit ’ner Netflix-Serie aufs Sofa gegammelt. Und diesen Platz habe ich dann eigentlich (bis auf kleine Küchen- und Badezimmer-Ausflüge und ja, sogar ’ne kurze Runde an der frischen Luft) nicht mehr verlassen. Ein typischer Gammel-Sonntag eben. Entspannung pur. Nur hat es sich danach (rückblickend betrachtet) abends irgendwie gar nicht mal unbedingt angefühlt. Und ich weiß jetzt auch, warum. Time Confetti, Leute. 

Time Confetti? Jetzt hat die von trèsCLICK endgültig den Verstand verloren. Ne, tatsächlich nicht. 😄 Auf diesen Begriff bin ich gerade nämlich in einem Artikel von Cosmopolitan gestoßen. Und dahinter steckt einiges Wahres. Und ich verwette hier mein gemütlich in ’ner Decke eingewickeltes Popöchen darauf (ja, das liebe Home-Office hat so seine Vorteile), dass ihr auch so Tage oder Momente habt, die sich wie ein komplett wilder Konfetti-Regen anfühlen – und euch müde und ausgelaugt zurücklassen. Ganz so, als hättet ihr ’ne wilde Party geschmissen, auf der ihr am liebsten alles auf einmal gemacht hättet. Time Confetti. Oder eben auch Zeit-Konfetti.

„Alles auf einmal, die ganze Zeit“

Erstmals brachte Brigid Schulte, Autorin von „Overwhelmed: How to Work, Love & Play When No One has the Time“, den Begriff in Umlauf. Sie beschreibt Time Confetti als den Versuch, „alles auf einmal, die ganze Zeit zu tun“. Man zerpflückt seine Freizeit also quasi in winzig kleine Fragmente (so wie Konfetti), die am Ende ganz schnell dazu beitragen können, dass man sich gestresst oder eben sogar richtig ausgelaugt fühlt.

Karen Kwong, Executive and Leadership Coach, beschreibt es auch als die Zeit, die durch „unproduktives Multitasking verloren“, geht. „Ich vergleiche es mit einer nicht achtsamen, nicht absichtlichen Art, hier und da Momente der Zeit zu vergeuden“, fügt sie gegenüber Cosmo hinzu.

Und jeppppp, genau daraus bestand mein Sonntag, um nochmal darauf zurückzukommen. Denn ich saß da natürlich nicht nur einfach so auf dem Sofa und hab mich berieseln lassen. NE. Ich hatte durchweg mein Handy in der Hand (kennt ihr alle safe auch). Hier ein bisschen Instagram. Da nochmal kurz ’ne Nachricht an die BF. Ach, und ich wollte doch noch die eine E-Mail von letztem Freitag checken. Wieder Instagram. Kurz nochmal Netflix zurückspulen, weil ich die Hälfte verpasst hab. Aber erst noch fix die Dreckwäsche in die Maschine tun. Dann ist das auch erledigt. Ganz ehrlich, Leute… mein Gehirn hat eigentlich durchweg Ping Pong gespielt mit den Gedanken. Und ohne diesen Cosmo-Artikel vorher schon gelesen zu haben, dachte ich Sonntag echt irgendwann: Leg doch mal das scheißßßßßß Handy weg, MiriAMMMMMM! 😅 Ich war richtig gestresst. Vom Nichts-aber-irgendwie-auch-alles-auf-einmal-Tun. Und das ist ja nun wirklich nicht der Sinn eines Sonntags. Oder generell Sinn der Sache.

„Man ist in keiner Weise besonders präsent, und das kann sich tatsächlich auf unser Wohlbefinden auswirken, weil unser Geist nirgends wirklich im Moment ist. Er ist ständig in einem Zustand der Bewegung und des Stresses – während er darüber nachdenkt, was war, und was sein könnte, ohne dabei in der Gegenwart zu sein“, so Kwong. Genau DAS! Man gönnt sich und seinem Kopf keine Ruhe mehr. Und schmeißt irgendwie alles durcheinander – wie Konfetti eben. Klar, könnte man jetzt argumentieren, dass sich das vielmehr nach harmlosem Multitasking anhört (und ja, manchmal stört mich das parallele Am-Handy-Geddadele abends auch nicht), aber es wird eben auch gerne mal zu viel und dann stresst es mich. Ich glaube tatsächlich, dass ich mittlerweile keine 40 Minuten Serie mehr schauen kann, ohne auch nur einmal aufs Handy zu schauen. Traurig. Natürlich kann man da jetzt auch einfach von dezenter Smartphone-Sucht sprechen (das ist allerdings nochmal ein ganz anderes Thema 😅 – oder kommt noch dazu), aber auch sonst ertappe ich mich oft, wie ich versuche, alles auf einmal zu machen, um es nochmal in Schultes Worten zu sagen. Bestes Beispiel: Ich koche eigentlich und gehe nur kurz am Schlafzimmer vorbei, wo das Bett noch nicht gemacht ist, dann mach ich das doch nochmal schnell. Sofort. Anstatt es halt einfach auf nach dem Kochen zu verschieben. Das alles lässt sich sicher auch auf unsere heutige Hustle Culture beziehen. Wir alle sind ständig so unter Strom, beschäftigt und wollen mithalten, dass wir versuchen 24/7 produktiv zu sein. Und das kann man natürlich auch auf die kleinsten Dinge in der Freizeit beziehen. Wie eine kurze Nachricht nebenbei schreiben, damit das erledigt ist und man es nicht wieder vergisst.

Wir müssen achtsamer mit unserer Zeit – und uns – umgehen

„Die Vorstellung, dass wir 24/7 produktiv sein können oder sollten, ist eine der größten Lügen der Moderne“, sagt auch Schulte. „Wir sind keine Maschinen. Wir können es nicht sein, und wir sollten es auch nicht versuchen.“ Fragt sich nur, wie wir mit dem wilden Time Confetti aufhören? Ein bisschen Digital Detox maybe? Hallooooo und JA! Hab ich mir persönlich schon lange vorgenommen. Ab 20 Uhr einfach mal das Handy weglegen? Wirklich weglegen. Das wäre SO gut. Auch wenn ich da wenig an mich glaube. 🙈 „Die Lösung ist einfach, aber in der Praxis schwer umzusetzen“, sagt auch Kwong. Jep. Dabei merke ich ja selbst, dass mir mein persönliches Zeit-Konfetti nicht guttut.

„Wir müssen achtsamer, bewusster und zielgerichteter damit umgehen, wie wir Zeit nutzen“, ergänzt die Expertin. Sie schlägt in diesem Zuge vor, vielleicht mal für eine Woche Protokoll über die eigenen Freizeitaktivitäten zu führen (TikTok, Insta und Co. mit eingeschlossen!!) und im Anschluss eine weitere Liste mit den Dingen anzufertigen, die man stattdessen gerne gemacht hätte. Und sich genau daran dann entlang hangelt! Und wer weiß, vielleicht ist es einen Versuch wert. Und vielleicht ist es auch schon ein erster Step, jetzt darüber zu schreiben und nachzudenken. Sich bewusst zu machen, was einem wirklich guttut. Und was nicht. Also Leute, Schluss mit dem Time Confetti. Dem Alles-immer-auf-einmal-machen-wollen. „Dadurch erlaubt ihr eurem Geist, sich auf eine Sache zu konzentrieren und das Adrenalin im Körper zu beruhigen, indem ihr euren Geist und euren Körper von den Kampf- oder Fluchtinstinkten weglenkt, die ihr vielleicht habt.“

Bester Neujahrsvorsatz, oder? 🙏🏼

Credits: Unsplash/ Sydney Sims, Getty Images

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