Tims Wunsch, mit Mädchen ein Zimmer auf der Klassenfahrt zu teilen, ist nicht das eigentliche Problem

Wer geht mit wem bei der nächsten Klassenfahrt aufs Zimmer? Diese Frage steht – oder stand – bei den meisten von uns schon Wochen vor dem eigentlichen Ausflug im Raum. Und meistens gab es dabei schon im Vorfeld Streit, mindestens Zickereien, weil sich am Ende doch irgendjemand ausgeschlossen fühlte.

In diesem besonderen Fall, der gerade Deutschland bewegt, sind sich allerdings ausnahmsweise mal alle Schüler und sogar die Eltern einig. Nur der Rektor schießt quer. Der Grund: Tim aus Greifswald möchte statt mit Jungs lieber mit Mädels aufs Zimmer. Tim ist schwul und fühlt sich in Gesellschaft seiner weiblichen Klassenkameradinnen wesentlich wohler. Doch sein Wunsch wird abgeschmettert:

„Plötzlich sitze ich im Zimmer des Direktors, und er argumentiert rücksichtslos mit ‚Deine Homosexualität ist kein triftiger Grund dafür, dass du mit Mädchen in ein Zimmer darfst. Ein triftiger Grund wäre beispielsweise, wenn du von den Jungs gemobbt werden würdest‘, so der 15-Jährige auf Change.org, wo er eine Petition gestartet hat, um dieses Problem anzugehen. Bis dato (Stand: 21. August) hat er über 3.000 Unterschriften für sein Anliegen gesammelt.

Der Gymnasiast möchte dieses Verbot so nicht auf sich sitzen lassen und sammelt Unterschriften, um unter anderem eine gesetzliche Grundlage voranzutreiben, „die diese Einteilungen abschafft.“

Nun mag man Tim beipflichten, weil er sich nicht von kategorischen Unterteilungen in männlich und weiblich aufhalten lassen will. In einer Zeit, in der das Geschlecht immer mehr an Bedeutung verliert, sondern in der längst genderneutrale Konzepte auf dem Vormarsch sind. Und auch aus dem simplen Grund, weil gleichgeschlechtliches Zusammenwohnen die eine große Angst von schulischen Institutionen nicht wahr werden lassen kann: dass sexuelle Handlungen vorgenommen werden.

„Aber dann brachen sie den Kontakt ab“

Und doch scheint das eigentliche Problem im Falle von Tim woanders zu liegen. Nämlich in der einfachen Tatsache, dass sich der junge Schüler unter einem Teil seiner Mitschüler merklich unwohl fühlt.

Gegenüber dem Magazin Die Mannschaft, das sich speziell an Homosexuelle richtet, gibt Tim dann doch zu, dass „sich die Jungs in seiner Klasse seit seinem Coming-out anders verhalten“, wie es dort heißt. „Mit einigen war er vorher befreundet. Aber dann brachen sie den Kontakt ab.“

Der Gedanke liegt nahe, dass Tims sexuelle Orientierung einigen Mitschülern – die selbst noch in der Findungsphase sind – im Moment noch (!) suspekt ist und sie noch nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Und es scheint so zu sein, dass die Vehemenz, mit der der Schulrektor auf Tims Ersuchen reagiert hat, an anderer Stelle besser eingesetzt wäre: im Dialog mit den Schülern und der Motivation, ihnen bei der Überwindung von ihren Vorurteilen zu helfen. Und nicht zuletzt mit der Hilfe eines geschulten Aufklärungs-Experten, der die Unsicherheiten der Schüler zu deuten und aus der Welt zu schaffen weiß.

 

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