In „Ultra Strips Down“ lassen Erwachsene vor Kindern die Hüllen fallen – und die Kritik im Netz ist groß

„Ekelhaft“ ist nur ein Wort, das einem gerade im Netz aus vielen Ecken entgegenspringt, wenn man nach der dänischen Show „Ultra Strips Down“ sucht. Denn das TV-Format sorgt aktuell für reichlich Furore – und das sogar über die Grenzen Dänemarks hinweg. Der Grund: In der Show treten Erwachsene komplett splitterfasernackt (auch die Geschlechtsteile werden gezeigt) live in einem Studio vor Kindern im Alter zwischen elf und dreizehn Jahren und lassen sich Fragen zu ihrem Body stellen. So wolle man den Kids ein gesundes Körperbewusstsein und mehr Body Positivity vermitteln.

Und hey, der Ansatz ist erstmal gar nicht schlecht. Wer selbst in den sozialen Medien unterwegs ist, weiß, wie groß der Druck ist. Jeder vergleicht sich, möchte immer besser, schöner, perfekter aussehen. Und auch wenn wir in Sachen #BodyPositivity sicher schon auf einem guten Weg (Richtung mehr Natürlichkeit) sind und auch Bombshells wie Ashley Graham und Lizzo die Covers dieser Welt zieren, dominieren sicher noch immer die „perfekt“ retuschierten Aufnahmen im Netz. Ganz zu schweigen von all den Instagram-Filtern, die einem auch jede noch so winzige Pore wegzaubern oder direkt ein komplett neues Gesicht malen.

So, und wenn selbst wir – als durchaus reflektierte Person – diesbezüglich noch oft struggeln, wie soll das erst bei jungen Teenies aussehen, die gerade erst anfangen, ihren Körper so richtig kennenzulernen?

Wenn man es von der Seite betrachtet, kann man „Ultra Strips Down“ also nichts vorwerfen. Denn in der Show werden eben alle Körperformen, -größen etc. gezeigt. Ohne Filter. Genau so, wie sie sind oder wie sie vielleicht das Leben gezeichnet hat. Denn auch ein Mann mit Beinprothese ist beispielsweise dabei.

„Ultra Strips Down“ stößt auf reichlich Kritik im Netz

Doch ob es der richtige Weg ist, dass sich erwachsene Leute komplett vor diesen jungen Menschen ausziehen, ist eine andere Sache. Denn sind wir ehrlich, das Konzept ist schon krass. Und wird genau deswegen nun eben auch im Netz und von vielen Stimmen außerhalb kritisiert. Es sei „ekelhaft“ und „krank“Auch der Vergleich zu dem umstrittenen Netflix-Film „Cuties“ (bei dem die Sexualisierung von jungen Mädchen kritisiert wird) wurde von einigen gezogen. Obwohl man an dieser Stelle ganz klar sagen muss, dass der Vergleich etwas hinkt. In „Ultra Strips Down“ werden schließlich nicht junge Menschen in aufreizenden Klamotten und Posen gezeigt.

Aber klar, dass vielen die Art der Umsetzung extrem erscheint, kann man verstehen. Und trotzdem läuft von der übrigens bereits mehrfach ausgezeichneten Show mittlerweile schon die zweite Staffel in Dänemark. Und auch Jannik Schow, der Moderator der Show, verteidigt das Konzept gegenüber der New York Times: „Vielleicht denken manche Menschen: ‚Oh, mein Gott, sie verbinden Nacktheit und Kinder.‘ Aber das hat nichts mit Sex zu tun. Es geht darum, den Körper als natürlich anzusehen, so wie es Kinder tun.“ Denn es sei nun mal Fakt, dass den Nutzer*innen in den sozialen Medien ein unnatürliches Bild vermittelt wird, das zu 90 Prozent eben nicht den Körpern in der richtigen Welt entspricht. „Wir haben extra Fett oder Haare oder Pickel. Wir möchten Kindern von klein auf zeigen, dass das in Ordnung ist.“

» Ich hoffe, sie werden verstehen, dass normale Körper so aussehen. «
Teilnehmerin Ule

Und wenn man sich einige Aussagen der Kids anhört, scheint das Konzept aufzugehen. Die 13-jährige Ida, die unter anderem an der Show teilnahm (alle Eltern mussten vorab natürlich ihr Einverständnis geben) sagte gegenüber der New York Times Folgendes: „Ich bin es nicht gewohnt, Freiwillige nackt zu sehen und ihnen Fragen zu stellen. Aber wir haben etwas über den Körper gelernt und darüber, wie andere Menschen über ihren Körper fühlen.

Die Kinder wollten laut dem Nachrichtenmagazin von den Teilnehmenden übrigens zum Beispiel Dinge wissen wie, wann die Haare von ihnen in der unteren Körperhälfte gewachsen sind, oder ob sie mit ihrem Intimbereich zufrieden seien. Ule (76), die ebenfalls an dem Experiment teilnahm, sagte diesbezüglich, dass sie sich wünsche, dass die Kinder begreifen, dass perfekte Körper, so wie sie im Netz dargestellt werden, in der Realität selten sind. „Wir hier haben gewöhnliche Körper. Ich hoffe, sie werden verstehen, dass normale Körper so aussehen.“

Mit Wirkung: Sonya sagte gegenüber der Times aus, dass sie sich „jetzt im Bezug auf ihren eigenen Körper sicherer“ fühle. 🙏 Was toll ist… ob sie und die anderen teilnehmenden Kinder das allerdings quasi mit dem Vorschlaghammer (aka komplett entblößten Erwachsenen) lernen sollten, sei dahingestellt.

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