Was wäre eigentlich, wenn die gesamte Menschheit vegan leben würde? Ein Gedankenspiel…

Es klingt nach einem Szenario, das fast schon zu utopisch scheint, um jemals wahr werden zu können (jedenfalls aus meiner subjektiven Sichtweise heraus). Eine Welt, in der sich alle Menschen vegan ernähren. Kann das überhaupt funktionieren? Sollte das überhaupt funktionieren können?

Die Tagesschau fragt sich aktuell im Zukunfts-Podcast „Mal angenommen…“ genau das – und auch wir sind neugierig geworden. Ließe sich die ganze Weltbevölkerung nur von Obst und Gemüse ernähren? Was passiert mit den Nutztieren, wenn sie – wortwörtlich – ihren Nutzen verlieren? Und wie wirkt sich eine flächendeckende vegane Ernährung eigentlich auf unser Klima und die Gesundheit aus?

Es sind spannende Fragen, die sich mir stellen, wenn ich so weit hinaus in die Zukunft spinne. Eine Welt ohne tierische Produkte. In der Linsenpattys, Karotten-Lachs und Hafermilch den tierischen Vorgängern plötzlich ihren Rang ablaufen. Eine Welt, in der die pflanzliche Alternative plötzlich nicht mehr als „Ersatzprodukt“, sondern als Hauptnahrungsmittel gilt.

Warum sich eine vegane Welt lohnen kann

In einer solchen Welt würden beispielsweise sehr schnell weniger (oder sogar gar keine!!) Tiere unter schrecklichen Bedingungen leben müssen. Es würde weniger Leid und Ausbeutung geben.

Natürlich kann ein solcher Prozess nicht von heute auf morgen stattfinden. Doch wenn die Zucht von Milchkühen, Mastschweinen, Geflügel und Rindern immer weiter eingedämmt würde, könnten wir langfristig definitiv einen Wandel in der Landwirtschaft erzielen. Hin zu größeren Ackerflächen und mehr Gemüseanbau. Weg von Masse und Qual.

Eine Entwicklung, die sich ziemlich schnell auch auf das Klima auswirken würde. Denn aktuell ist unsere fleischhaltige Ernährung für 30 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich (mehr dazu hier). Nicht nur, weil Tiere Methan produzieren, sondern vor allem auch, weil deren Haltung so unglaublich emissions-intensiv vonstatten geht. Futtermittel müssen angebaut werden, Transporte und Schlachtungen sorgen zusätzlich für eine hohe Umweltbelastung. Laut Rechnungen der Tagesschau könnte mit einer veganen Welternährung ein ganzes Viertel der globalen Emissionen einfach so eingespart werden. Zum Vergleich: Bei einem Kilo Bohnen oder Linsen wird nur etwa 1 Prozent der Treibhausgase produziert, die für ein Kilo Rindfleisch entstehen.

Denn die Tiere brauchen Nahrung. Viel davon. So viel, dass insgesamt ein Drittel aller Ackerflächen für deren Versorgung bereitgestellt wird. Würde dieser Teil wegfallen, könnten die aktuellen Fläche bereits ausreichen, um die gesamte Menschheit zu ernähren. Es müsste also, im besten Fall, nicht noch mehr Regenwald abgeholzt werden. Was im Umkehrschluss mehr Kapazitäten für die Sauerstoffproduktion bedeuten würde.

Außerdem ließe sich durch eine solche Umverteilung Hunger und Unterernährung viel effektiver bekämpfen. Vor allem dann, wenn der Fokus endlich auf allen Menschen liegt – und nicht auf dem Luxusbedarf der Industriestaaten. Denn bisher profitiert vor allem der globale Westen vom Futtermittelanbau und der tierischen Massenproduktion. Eine Umverteilung der Ackerflächen hätte demnach eine vielfältige und ausgewogene Neubewirtschaftung zur Folge.

Gut für die Umwelt… aber auch gut für uns?

Dennoch muss in einem solchen Zukunftsszenario natürlich auch die Gesundheit der Menschen im Blick behalten werden. Grundsätzlich lässt sich erkennen: Risiken für Herzkreislaufprobleme, Krebserkrankungen, Diabetes und eine hohe Sterblichkeitsrate könnten maßgeblich gesenkt werden. Gerade mit einer ausgewogenen pflanzlichen Ernährung, bei der eine vollständige Nährstoffabdeckung im Mittelpunkt steht. Denn Veganer*innen müssen keinesfalls Mangelerscheinungen aufweisen. Proteine, Kalzium, Eisen, Jod, Zink und Magnesium lassen sich problemlos auch durch tierfreie Produkte in die Nahrung integrieren.

Lediglich das Vitamin B12 müsste flächendeckend substituiert werden. Allerdings dient auch hier das Nutztier, über das wir B12 bisher aufnehmen, heutzutage fast nur noch als „Überträger“. Durch einseitige Fütterung und die unnatürliche Haltung muss der Nährstoff oftmals auch den Tieren als Supplement zugeführt werden. Eine Bereitstellung für den Menschen über andere Träger (wie etwa pflanzliche Milch oder Zahnpasta) wäre also durchaus denkbar in der Zukunft – vor allem dort, wo bislang wenig Zugang zu Ersatzpräparaten gewährleistet ist. Es muss nur daran gedacht werden. Und das wird es glücklicherweise immer häufiger. Denn mit der veganen Ernährung geht oftmals auch eine bewusstere Esskukultur einher. So können Sportler*innen beispielsweise problemlos stärker und leistungsfähiger werden, ihre Regenerierungszeit verkürzt sich und oftmals lassen sich zudem positive Auswirkungen auf das Schlafverhalten erkennen.

Ohne Fleisch und Käse in die Zukunft

Auf die richtige Umsetzung kommt es in einer solchen Zukunft also an. Wobei es darauf in unserer Gegenwart ebenfalls schon viel mehr ankommen sollte. Denn auch eine einseitige Ernährung mit tierischen Produkten kann Nährstoffmängel zur Folge haben.

Was lernen wir also daraus? Eine vegane Welt ist möglich. Wenn wir globaler denken – und weniger auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Alle Menschen könnten satt werden von einem ausgewogenen und strategischen Gemüse- und Obstanbau. Nutztiere müssten nicht mehr ausgebeutet werden oder überhaupt existieren. Aus Weideflächen könnten Wälder entstehen. Emissionen werden verringert und Ressourcen gespart. Pflanzliche Alternativen könnten endlich ihr klischeebehaftetes Stigma verlieren.

Eine Aussicht also, die nur noch wenig nach Verlust und Einschränkung klingt. Denn wir tun uns und unserem Planeten damit vor allem eines: einen ziemlich großen Gefallen.

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