Warum es zur Zensur von veganen Produkten kommen kann – und wie kreativ sich die Branche nun wehrt

Okay, wir haben ja schon so einiges gehört… und über uns ergehen lassen. Da gibt es die Kommentare beim Grillabend, wenn wieder jemand unser Würstchen aus Erbsenprotein belächelt. Oder die hochgezogenen Augenbrauen, weil wir Hafermilch doch ernsthaft als Milch bezeichnen.

Immer wieder wird die vegane Ernährung zum Politikum gemacht – und das längst nicht nur auf privater Ebene. Auch gesetzlich scheint ein Aufschnitt in Scheibenform, der nicht aus dem Euter der Kuh gewonnen wird, dauerhaft ein kritisches Thema zu sein. Immer wieder kommt es auf EU-Ebene zu Anklagen, weil folgendes Szenario befürchtet wird: Verbraucher*innen könnten in die Irre geführt werden… von veganen Genießerscheiben. Und aus Versehen ein pflanzliches Produkt aufs Kassenband legen, wenn sie zu sehr vom Packaging verunsichert sind. 

Grund genug, die Namensgebung auf ein Minimum zu beschränken (oder glaubt ihr ernsthaft, eine Marketingabteilung würde ihr Produkt „Genießerscheiben“ nennen, wenn auch „pflanzlicher Käse“ möglich wäre?!). Doch auch diese Einschränkungen scheinen längst nicht mehr genug zu sein. Womit wir auch schon beim aktuellsten Problemfall wären. Einer, der viel zu spät erst die nötige Aufmerksamkeit erhält. Sein Name: Amendment 171. Die Bedeutung dahinter: Ein Antrag auf Gesetzesänderung, der weitreichende Folgen für pflanzenbasierte Alternativen – und deren Konsument*innen – haben könnte. Bereits im Oktober 2020 wurde darüber im europäischen Parlament abgestimmt. Und zwar mit weitreichenden Folgen…

Verwirrung oder Zensur?

Darin festgehalten sind zahlreiche verklausulierte Forderungen, die letztlich nur ein Ziel zur Folge haben: Vegane Produkte dürfen nicht an die Aufmachung tierischer Pendants erinnern. Und zwar in keinerlei Hinsicht mehr. Hersteller*innen müssten demnach nicht nur ihren Namen verändern, sondern im drastischsten Fall sogar die Form der Verpackung anpassenEin Umstand, auf den viele vegane Brands nun gemeinsam mit der Gesellschaft ProVeg und einer fetten Werbekampagne aufmerksam machen wollen.

„Stoppt die Zensur pflanzlicher Milchprodukte!“, lautet dabei die Devise. Gerichtet sind diese Worte ganz konkret an die europäischen Entscheidungsträger*innen und Mitgliedstaaten.

Zur Erklärung für diesen Schritt heißt es in der zugehörigen  Petitionsschrift (die natürlich gerne unterschrieben werden darf): „Bezeichnungen für Milchprodukte – etwa Milch und Käse – sind bereits durch das Gesetz geschützt. Änderungsantrag 171 würde noch weitergehen und jegliche Verwendung von Begriffen, die ursprünglich in Verbindung mit Milch und Milchprodukten genutzt werden, für pflanzliche Lebensmittel zensieren. Dies gilt sowohl für kommunikative Maßnahmen als auch für Verpackung und Bildmaterial. Begriffe und Ausdrücke wie ‚enthält keine Milch‘ oder ’sahnige Konsistenz‘ könnten zusätzlich verboten werden. Das Gleiche gilt für einen Social-Media-Beitrag oder eine Anzeige, in der wissenschaftliche Daten zum Beispiel darlegen, dass ein Alternativprodukt nur halb so viele Kohlenstoffemissionen wie Butter aus Kuhmilch verursacht. Obendrein könnte der Antrag sogar bizarrerweise verbieten, dass pflanzliche Lebensmittelhersteller Abbildungen ihrer eigenen Produkte auf den Verpackungen verwenden.“

Eine Petition gegen Lobbyarbeit

Ein starker Eingriff also – und vor allem eine absolut unverantwortliche Maßnahme. Finden die treibenden Kräfte dahinter. Denn mit der Verfremdung pflanzlicher Ersatzprodukte würden viele Konsument*innen sie erst gar nicht als solche erkennen… und von vornherein als Alternative ausschließen. Grotesk, wenn man bedenkt, dass genau sie doch einen so wichtigen Teil im Kampf gegen den Klimawandel beitragen. Je pflanzlicher die Ernährung, desto nachhaltiger ist sie nun mal auch.

Was hier also als ‚Schutz vor Verwirrung‘ getarnt wird, ist eigentlich genau eines – nämlich kalkulierte Lobbyarbeit der Milchindustrie. Anstatt Konkurrenz im Supermarktregal zuzulassen, wird mit abwegigen Änderungsanträgen versucht, den Markt künstlich ‚wie gewohnt‘ zu halten. Innovationen und Informationsverbreitung könnten so im Keime erstickt werden – und das gesetzlich legitimiert. Kein Wunder also, dass große (aber auch kleinere) vegane Player wie Oatly, Simply V, the Nu Company und Vly einen Gegenpol setzen wollen. Laut und in Farbe. Jung und provokant. Eindringlich und kreativ. Genau das ist es wohl, was der eingestaubte Ernährungsmarkt ganz dringend nötig hat. 👏

Mit einer Kampagne wird die Absurdität von Amendment 171 deutlich gemacht

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