6 Vorurteile gegen Veganer*innen und wie du sie am besten entkräften kannst

Es scheint die ewig-gleiche Leier zu sein. Ob beim Grillen im Park, dem Familienfest… oder am eigenen Küchentisch. Irgendwo sind sie wohl allen vegan lebenden Personen schon begegnet – diese ewig-gleichen Vorurteile.

Zugegeben: Zumindest in meinem Umfeld werden sie mit den Jahren immer seltener. Und doch gibt es sie noch. Versteckter, akzentuierter… oder immer dann, wenn sonst kein Thema zum Sticheln mehr herhalten kann. Also legt man sich wohl oder übel einen Schutzpanzer zu. Einen, der aus Wissen und Informationen besteht. Einen, den wir anlegen und abrufen können, sobald es eben doch mal wieder notwendig wird. Damit es beim konstruktiven Gespräch bleibt… und nicht zur hitzigen Schlammschlacht mutiert.

Ganz ehrlich? Auch an diesem Punkt war ich schon. Schließlich sind viele Nachfragen und Argumente auch einfach als Brandbeschleuniger gemeint. Viel besser ist es aber natürlich, wenn auch auf all die pseudo-besorgten Anti-Fragen auf den Punkt die Antworten vorhanden sind. Denn eines haben viele Veganer*innen wohl tatsächlich gemeinsam: Sie informieren sich über ihre Art der Ernährung. Die meisten wissen, wie sie an ihre Nährstoffe kommen. Haben Antworten parat, wenn es um Substitutionen und Klimafragen geht.

Und falls (noch) nicht? Dann gebe wir sie euch spätestens jetzt! Denn ob nun interessierte*r Skeptiker*in, Newbie oder Vegan-Expert*in – mit diesen Vorurteilen hier muss definitiv dringend aufgeräumt werden!

Veganer*innen können niemals ihren Nährstoffbedarf decken

Wie bei allen anderen Ernährungsformen gilt auch für den Veganismus: auf die Ausgewogenheit kommt es an. Wer sich nur von Fast Food ernährt, der wird irgendwann sicherlich Mangelerscheinungen aufweisen. Allerdings nicht nur als Veganer*in. Wer sich stattdessen informiert und entsprechend verschiedene Lebensmittel konsumiert, der kann den Nährstoffhaushalt auf pflanzenbasiert ohne Probleme im Gleichgewicht halten. Lediglich das Vitamin B12 kann aus pflanzlichen Lebensmitteln allein nicht ausreichend zugeführt werden. Dieses sollte definitiv substituiert werden. Die meisten Veganer*innen greifen dabei auf Nährstoffpräparate zurück und sparen sich so den Zwischenschritt über einen tierischen Träger. Denn in Zeiten der Massentierhaltung wird auch Tieren das in Gräsern enthaltene Vitamin lediglich in Tablettenform zugefüttert. Einen Unterschied macht das an dieser Stelle also kaum noch.

Du isst doch gar keine Proteine mehr

Alrighty. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären. Nach Vitamin B12 verbreitet sich nämlich vor allem ein Vorurteil hartnäckig: Veganer*innen können ihren Eiweiß bzw. Proteinbedarf nicht ausreichend abdecken. Dieser Gedanke ist wohl unserer Sozialisierung geschuldet, denn früher stand ganz klar fest, dass ausschließlich Eier, Fleisch und Milchprodukte als Proteinlieferanten dienen. Mit Bohnen, Kichererbsen, Vollkorngetreide, Linsen, Kernen, Nüssen, Soja, Chiasamen oder Quinoa lässt sich unser Bedarf an Eiweißen aber ebenso erfolgreich decken. Ihr seht – die Liste ist lang (und definitiv ausgewogener als tägliches Hühnchen mit Brokkoli, Quark und Reis 😉).

Deine Sojaprodukte sind für die Abholzung des Regenwalds verantwortlich

Na, auch schon mit dieser Aussage konfrontiert worden? Viele Menschen verzichten inzwischen auf tierische Produkte, um den eigenen negativen Einfluss auf die Umwelt geringer zu halten. Denn die Haltung und Verarbeitung von Tieren in Massenhaltung produziert ordentlich CO2. Womit wir auch schon wieder beim Thema wären: Während das Soja für vegane Tofuprodukte größtenteils in Europa angebaut wird (checkt dafür gerne mal den Stempel auf euren Lebensmitteln), dienen die Sojafelder in Südamerika vor allem der Futtermittelproduktion

Insgesamt ein Drittel aller Ackerflächen werden allein für die Versorgung der Tiere bereitgestellt, die später auf unseren Tellern landen. Würde dieser Teil wegfallen, könnte die aktuelle Fläche bereits ausreichen, um die gesamte Menschheit zu ernähren.

Mein Milchkonsum schadet den Tieren doch nicht

Wer gerade beginnt, sich mit der veganen Ernährung auseinanderzusetzen, der wird diesen Gedanken vielleicht auch schon gehabt haben. Schließlich sterben die Tiere dabei ja nicht für meinen Appetit. Jedenfalls noch nicht. Ziemlich schnell wird mit der Recherche, zahlreichen Dokumentationen und Reportagen dann nämlich klar: mit natürlicher Tierhaltung ist es in diesem Zeitalter längst vorbei. Die Lebewesen werden auf viel zu engem Raum gehalten, nur wenige dürfen ins Freie oder sich artgerecht verhalten. Zudem sind Milchkühe (aber auch Legehennen) mehr und mehr darauf gezüchtet, so viel Ertrag wie möglich zu produzieren.

Die Euter von Kühen wären unter normalen Umständen niemals so riesig. Jahr für Jahr werden sie künstlich befruchtet, nur damit ihnen das Kalb – das die (Mutter)Milchproduktion überhaupt erst anregt – wieder genommen wird. Auch der Melkprozess ist nicht automatisch schmerzfrei. Weshalb nicht selten Anteile von Blut und Eiter in unseren Milchprodukten enthalten sind. Nach vier bis sechs Jahren haben die Tiere dann auch schon ausgedient. Deutlich früher, als die normale Lebensdauer. Denn die liegt bei Rindern bei ca. 20 Jahren.

Ob Milchprodukte weiterhin konsumiert werden oder nicht, bleibt natürlich eine persönlich Entscheidung. Dieses Argument allerdings gegen die vegan Ernährung aufführen zu wollen ist, *pardon my French*, einfach nur bullshit!

Eure Ersatzprodukte sind ungesund

Klar, wer sich ausschließlich von Ersatzprodukten ernährt, der wird keinen sehr gesunden Lifestyle führen. Ähnlich sieht das aber auch mit den tierischen Pendants aus. Ob Wurstaufschnitt, Pizzakäse oder Chicken Nuggets – in Maßen ist alles davon in Ordnung für die Gesundheit. In Massen hingegen wohl kaum. Auch Ersatzprodukte bilden da keine Ausnahme. Viele von ihnen basieren auf Kohlenhydraten und werden mit Fett, Klebeeiweißen und Gewürzen angereichert. Die Kombination macht den Geschmack – aber eben auch den negativen Gesundheitsausblick. An dem Vorurteil, Ersatzprodukte würden nur aus künstlichen Zusatzstoffen bestehen, ist dagegen längst nicht mehr viel dran. Aber darüber haben wir an anderer Stelle bereits ausführlich gesprochen.

Dir sind Tiere wichtiger, als Menschen

Dazu vielleicht zunächst einmal: Die Gründe, warum Menschen sich vegan ernähren, könnten vielfältiger kaum sein. Während für die Mehrzahl natürlich (auch) das Tierwohl eine große Rolle spielt, ist für ebenso viele das Umweltbewusstsein entscheidend – oder schlicht der Geschmack. Dennoch haben sich die meisten Veganer*innen sicherlich eingehend mit den Hintergründen beschäftigt… und basierend darauf eine klare Haltung entwickelt. Die muss aber längst nicht im Mittelpunkt stehen, andere Haltungen ausschließen oder in einer Art Hierarchie priorisierend sein. Und vor allem muss es nicht die einzige Haltung sein – nur weil es im aktivistisch Kontext eine laute ist. 

Du hast ja gar keine Argumente mehr…

Ohh, und wie wir die haben. Weil wir müssen – aber auch wollen. Nicht nur für das nächste Familienfest. Sondern auch für die eigene Auseinandersetzung mit veganen Themen jeglicher Art. Denn die wenigsten (hoffe ich jedenfalls!) halten sich aufgrund ihrer Ernährungsform für etwas besseres. Menschen wollen dazulernen, sich weiterbilden… und so viel wie möglich richtig machen. Dafür braucht es keine Absolution oder Dogmatismus. Sondern Offenheit, Interesse und manchmal eben auch das ein oder andere Argument, dass Vorurteile und Mythen als solche enttarnen kann.

In dem Buch „Vegan ist Unsinn“ von Niko Rittenau, Ed Winters und Patrick Schönfeld (für 23,50 Euro bei Thalia erhältlich) werden über 50 weitere Vegan-Vorurteile wissenschaftlich beleuchtet und analysiert. Nicht etwa, um immer dagegen zu sein. Sondern vor allem, um Dagegenhalten zu können. Na gut, und vielleicht auch, um hier und da neue, wissenswerte Inhalte droppen zu lassen. 😏

Ein Blick in dieses Buch lohnt sich – nicht nur für Veganer*innen

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