„Das ist eine wahre Geschichte: Ich habe keine Freunde mehr“

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Dieses Geständnis hat erst vor kurzem eine Redakteurin in einem neuen Artikel für das US-Online-Magazin Elite Daily gemacht. „Das ist eine wahre Geschichte: Ich habe keine Freunde mehr.“

Fast schon schmerzhaft ehrlich schildert die junge Frau ihre schlechten Erfahrungen, die sie mit ihren (sogenannten?) Freunden gemacht hat.

Sie habe während ihrer Schul – und Uni-Zeit „eine Menge Freunde“ gehabt. Menschen, die ihr ganz nah standen, denen sie blind vertraute, die sie teilweise mehr mochte als ihre Verwandten.

» Alle Freundschaften, von denen ich dachte, dass ich nie ohne sie leben könnte, endeten. «

Dann aber kam es zu einem Wendepunkt in Gigis Leben. Mit dem Älterwerden und ihrem Eintritt ins Berufsleben zerschlugen sich die Freundschaften nach und nach.

„Jeder einzelne, nahestehende Freund verließ mich. Jede Person, der ich blind vertraute, brach mir einfach nur das Herz. Sie gingen alle weg. Alle Freundschaften, von denen ich dachte, dass ich nie ohne sie leben könnte, endeten.“

Als Gründe nennt Gigi Fehler, die sie selbst gemacht hat und Versäumnisse der anderen. Sie habe im Laufe der Zeit einfach festgestellt, dass jeder am Ende nur an sich denke, dass man nicht auf eine Freundschaft bauen müsste, die einseitig ist und nur von Ego-Ansprüchen geprägt.

Gigis Extrem-Fazit: „Ich komme wirklich zu dem Schluss, dass es immer schwerer wird, Freunde zu finden, je älter man wird. Und dass man mit dem Älterwerden, immer mehr merkt, wie sehr man Menschen eigentlich hasst.“

Es sind harte Worte, die Gigi wählt und die ganz sicher von menschlichen Enttäuschungen herrühren. Die aber sehr vielen Lesern aus dem Herzen sprechen, wie die Reaktionen unter dem Beitrag nur allzu deutlich zeigen. Offenbar gibt es genug Menschen da draußen, die der Journalistin – vielleicht auch nur in Ansätzen – zustimmen können und die sich von ihr verstanden fühlen. Und vermutlich hat jeder von uns mindestens einmal in seinem Leben eine ähnliche Erfahrung gemacht. Eine zerbrochene Freundschaft wiegt oft mindestens genauso schwer wie eine kaputte Liebe. Der Trennungsschmerz geht tief ins Mark, breitet sich dort aus und will nicht weggehen.

» Jeder neue Kontakt birgt grundsätzlich die Gefahr einer Verletzung. «
Eric Hegmann

Das kann auch Eric Hegmann bestätigen, der eigentlich als Paarberater arbeitet, zur platonischen Liebe allerdings auch einiges zu sagen hat.

Très Click: Die Autorin spricht ja sehr drastisch darüber, dass sie mit dem Älterwerden immer mehr Freunde anfing zu hassen. Inwieweit gibt es ihrer Meinung nach dieses Phänomen, dass man Freunden gegenüber eine derart tiefe Abneigung hegen kann?

Eric Hegmann: Mit zunehmendem Alter werden viele Menschen misanthropischer. Sie ziehen sich zurück, weil sie sich von zu vielen oder zu schnellen Wünschen nach Kontaktaufnahme vielleicht sogar bedroht fühlen.

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Gewohnheit gibt Sicherheit und Geborgenheit, ebenso Rituale. Das zeigt sich bei manchen Angewohnheiten, die auch mal schrullig wirken. Veränderungen werden dann nicht mehr als etwas Spannendes, sondern als etwas Bedrohliches wahrgenommen und jeder neue Kontakt birgt grundsätzlich auch die Gefahr einer Verletzung. Der Rückzug oder sogar der Hass auf andere Menschen ist tatsächlich eine Schutzstrategie, um Verletzungen zu vermeiden und der berühmte Schrei nach Liebe.

Sie sagt unter anderem: „Wenn du jung bist, willst du mit jedem befreundet sein. Wir machen uns viel zu viele Gedanken darüber, was die Leute von uns denken. Wir machen beschämende, peinliche und selbstzerstörerische Dinge, damit uns die Leute mögen.“ Können Sie das bestätigen?

Das mag für manche Menschen, vor allem jene, die auf Anerkennung viel Wert legen, richtig sein. Dahinter steckt ja ein geschwächter Selbstwert, der Bestätigung sucht, weil er sagt: Ich bin nicht gut genug. Je mehr Freunde ich verliere im Leben, umso mehr Verletzungen erlebe ich. Irgendwann wiegen diese Verletzungen den Wunsch nach Anerkennung und die Energie, die dafür aufgewendet wird, nicht mehr auf. Rückzug und Welthass allerdings zeigt vor allem, wie verletzt der Selbstwert ist. Jede weitere Verletzung wäre zu viel, befürchten diese Menschen, deshalb wehren sie neue Verbindungen ab.

Verändert sich die Qualität einer Freundschaft mit den Jahren – zum Guten oder zum Schlechten?

Das ist wohl für die meisten Menschen eher eine Verbesserung. Wie in einer Partnerschaft auch: Die Menschen erleben sich in unterschiedlichen Situationen, irgendwann wissen sie, was sie miteinander erwartet. Das macht alte Freundschaften so entspannt. Sie kommen ohne Konkurrenz aus, ohne Druck, einander gefallen zu müssen.

Glauben Sie, dass eine solche Aussage „Warum man mit dem Älterwerden auch beginnt, mehr Leute zu hassen“ viele Menschen insgeheim treffen?

Ja, aber das sind vor allem jene, die unzufrieden sind mit sich, mit Veränderungen, die sich bedroht fühlen, wenn ihre Routinen unterbrochen werden. Wer sich Neugierde und Offenheit bewahrt, wird auch im Alter neue Erfahrungen machen und neue Kontakte und Bindungen herstellen wollen.

Hatten Sie schon solche Patienten?

Ich hatte natürlich schon viele Klienten, die beispielsweise nach einer Trennung nach einer langen Beziehung oder auch dem Tod eines langjährigen Lebenspartners erst einmal wieder Freude an neuen Kontakten erfahren und ein Stück weit lernen mussten. Ansonsten suchen extrem ausgeprägte Misanthropen eher selten Unterstützung. Dazu müssten sie sich ja anderen Menschen öffnen. Der Leidensdruck muss dann schon recht groß werden. Ich kann nur empfehlen: Pflegen Sie Freundschaften. Es werden mit dem Alter weniger, aber nicht nur, weil die Menschen schrulliger werden, sondern auch weil Freunde sterben und das soziale Netz so immer dünner wird.

Mehr über: Freundschaft, Freunde, Hass

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