Warum wir alle mehr weinen sollten

Hallo, ich bin Alex und ich bin eine Heulsuse. Klingt wie der Vorstellungssatz in einer Selbsthilfegruppe? Nicht ganz, denn ich möchte noch ergänzen: ‚Und ich bin stolz darauf.‘ So weit entfernt liegt der Bezug zur Therapie-Sitzung allerdings nicht. Neue Studien und Umfragen sprechen dafür, dass Tränen besser wirken, als jede Beruhigungstablette. Aber dazu gleich. Zuerst nochmal zurück zum ‚praktischen Teil‘:

Neulich fragte mich eine Freundin, die mich noch nicht so lange kennt: ‚Sag mal, hast du eigentlich schon mal in der Öffentlichkeit geweint?‘ Ich schaute sie geschockt an und sagte: ‚Einmal? Ich kann die vielen Male nicht mehr zählen! Gerade neulich stand ich mitten im Kaufhaus und habe Rotz und Wasser geheult, (kurz schlucken und erneute Tränen verdrängen) weil meine beste Freundin doof zu mir war.‘ Diesmal war sie es, die mich geschockt ansah. ‚Krass, ich weine nie.‘

Da war ich nun wieder dran, dumm aus der Wäsche zu gucken. Nie weinen? Wie geht das? Mir kommen die Tränen, wenn der Hund im Film zuerst stirbt. Aus mir strömt es, wenn sich mein Lieblings-Paar im Freundeskreis mal wieder trennt. Oder, wenn ich einfach das Gefühl habe, mir wächst wieder mal alles über den Kopf und ich verliere die Kontrolle.

» Ich bin nicht nah ans Wasser gebaut. Ich bin ins Wasser gebaut! «

Und dann wären da noch meine Wut-Tränen: Sie sind unberechenbar und schießen mir immer dann aus den Augen, wenn ich sie am wenigsten brauchen kann: Bei Gesprächen mit dem Chef. Oder wenn ich mich beschweren möchte über Ungerechtigkeiten. Kurz, wenn ich besonders ernst genommen werden möchte.

Aber auch bei schönen Ereignissen, bin ich ganz nah ans Wasser (oder besser gesagt: ins Wasser) gebaut: Wenn meine beste Freundin mir sagt, dass sie schwanger ist. Wenn mein Freund sich morgens um 8 Uhr anstellt, um mir Karten, für die immer ausverkaufte Drei-Fragezeichen-Show zu holen. Oder ich eine ganz ganz alte Dame mit ihrem noch älteren Mann eingehakt durch die Stadt tapsen sehe.

Klar habe ich mich dafür schon geschämt. Und die fragenden Blicke der fremden Leute, die versuchen herauszufinden, warum meine Wangen feuchter sind, als Hamburg bei Hochwasser? Alles andere als angenehm. Aber aufhören konnte ich trotzdem nie. Und das hat offenbar einen guten Grund:

‚Beim Weinen werden Botenstoffe ausgestossen, die beruhigend wirken. Das hilft beim Stressabbau‘, so William Frey II, Professor der Pharmazie und Mitglied der Fakultät für Neurolgie an der Universität in Minnesota. Ha! Die Wissenschaft ist also auf meiner Seite! Und neueste Studien auch:

Ad Vingerhoets, Psychologie Professor an der Tilburg Universität in den Niederlanden hat herausgefunden: Die glücklichsten Menschen leben in den Ländern, wo Weinen am wenigsten als peinlich empfunden wird und folglich viel geweint wird. Ganz vorne dabei: die Amis und die Skandinavier.

Weitere Rückendeckung bekomme ich aus sozialen Netzwerken: Es gibt einen Twitter Account, der So Sad today heißt. Einen Tumblr, der schöne Mädchen beim Weinen zeigt und einen Tumblr, der zeigt wo man in New York man am besten öffentlich weinen kann.

Ich bin also nicht alleine. Und allen, die jetzt immer noch denken, Weinen wäre ein Zeichen von Schwäche, sei gesagt: Ja, das stimmt. Aber, wer Schwäche zeigen kann, ist verdammt stark. Big girls do cry.

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