Wie ist es eigentlich, wenn… man die Pille danach nimmt?

Seit dem 15. März 2015 ist die Pille danach in Deutschland ohne Rezept erhältlich. Ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstbestimmung. Aber auch eine ganz neue Verantwortung.

Es war immer eine dieser Das-passiert-mir-nie-Geschichten, bis es mir doch passierte: Ich musste die Pille danach nehmen. In lauter Abi-Feierlaune, irgendwo zwischen Lippenstiftauftragen und dem ersten Glas Sekt, hatte ich vergessen, meine Pille zu nehmen. Am nächsten Morgen war meine Panik größer, als mein Kater. Einen Arztbesuch später hielt ich die barbiepinke Verpackung in der Hand. Jede Smarties-Schachtel sah gefährlicher aus. Aber sie hatte es in sich: Schwindel, Übelkeit, Zwischenblutungen – nur drei von unzähligen Folgen, vor denen meine Frauenärztin mich warnte. Aber stehen nicht selbst auf dem Beipackzettel jeder Kopfschmerztablette die gruseligsten Nebenwirkungen? Also runter damit!

Von all dem wusste ich nichts mehr, als ich zwei Wochen später unter der Dusche stand und mein Bewusstsein verlor. Ich hörte nichts mehr, alles drehte sich und ich wachte auf dem Badezimmerboden auf. Nach dem Knock-out in der Dusche war nichts mehr wie vorher. Ich verbrachte ein paar Stunden in der Notaufnahme und wurde wieder nach Hause geschickt. Es folgten zwei Wochen, in denen ich immer wieder schreckliche Schmerzen hatte, etliche Arztbesuche, viele ratlose Gesichter, aber keine Diagnose. Ich bekam Rückenschmerzen, konnte mein Bein nicht mehr richtig bewegen, es wurde blau und dick.

Schließlich war es meine Frauenärztin, die clever genug war: Ich hatte eine Thrombose und meine Ohnmacht wurde ausgelöst durch eine Lungenembolie, weil ein Teilchen des Blutgerinnsels durch meine Lungen gerast war.

Da stand ich nun: 20 Jahre jung, immer kerngesund und dann das (haben das nicht sonst nur alte Menschen?). Ich verbrachte zwei Wochen im Krankenhaus und wurde durchgecheckt. Wie man durch einen Bluttest feststellte, hatte ich die Faktor-V-Leiden-Mutation. FVL ist der am weitesten verbreitete erbliche Risikofaktor, bei dem eine erhöhte Gefahr für ein Blutgerinnsel (Thrombose) besteht.

Was selten klingt, betrifft immerhin 10 Prozent der Bevölkerung. Nicht bei jedem Mensch macht sich der Gendefekt bemerkbar, aber gewisse Medikamente können den Ausbruch stimulieren. Die Pille danach war in meinem Fall der Auslöser, ich hätte sterben können. Zwar gibt es verschiedene Arten des FVL, aber bei Einnahme von oralen Verhütungsmitteln kann das Thromboserisiko auf ein 30- bis 300-faches ansteigen.

» Ich hätte sterben können «

Die Präparate mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (UPA) und Levonorgestrel (LNG) sind seit gestern verschreibungsfrei zu haben. Vor allem Mediziner sehen die Freigabe kritisch:

„Die Substanz UPA hat es in sich! Sie kann zu lebensbedrohlichen Blutungen führen“, mahnt Gynäkologe Dr. Werner Harlfinger. Und wer zu Thrombose neigt, dürfe erst gar kein LNG einnehmen, betont der Berufsverband der Frauenärzte. Aber woher soll man wissen, ob man eine Thromboseneigung hat? Denn zur Vorsorge gehört der DNA-Test (leider!) nicht.

Die Pillen danach tragen heute stylishe Namen wie PiDaNa (klingt schon fast wie ein Hashtag) oder Plan B, ihre bunten Verpackungen verschleiern die extrem hohe Hormondosierung.

Bei einem verantwortungsbewussten Umgang bietet die rezeptfreie PiDaNa sicherlich eine ganz neue Freiheit und ist ein legitimer Plan B für alle Frauen, falls mal etwas schief gehen sollte. Aber als Pillenersatz oder Entschuldigung für Vergesslichkeit sollte man sie nicht missbrauchen. Sie bleibt ein Notfallmedikament, bei dem die Rücksprache mit der Frauenärztin trotz aller Unabhängigkeit notwendig ist.

Die Pille danach hat ganz klar ihre Berechtigung. Aber es kommt auch immer darauf an, wer sie in die Hände bekommt: Von einer Freundin habe ich schon gehört, dass einer ihrer Bekannten sich drei auf Vorrat gekauft hat. Damit er sie nach einem One-Night-Stand wie Smarties verteilen kann. Schrecklich.

 

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