Wiederverwendbare Tampons? Ich habe den Selbstversuch gestartet

Nachhaltigkeit ist eins der größten Themen in meinem Leben und auch eins der schwierigsten. Besonders während der Periode verursachen wir so viel Müll. Seitdem ich 14 bin, habe ich eigentlich immer Tampons benutzt, bis mein Bewusstsein für die Umwelt immer größer wurde. Ich fing an, mich vegetarisch zu ernähren, und versuchte insgesamt, meinen Lebensstil nachhaltiger zu gestalten. Aufgrund dessen bin ich irgendwann auf die Perioden-Tasse umgestiegen. Allerdings hatte ich auch hier am Anfang so meine Bedenken, was die Funktionalität und den Komfort betrifft. Jetzt bin ich eigentlich ganz zufrieden mit meiner Menstru-Cup. ABER ich würde schon gerne mal wieder Tampons benutzen, da sie einfach leichter in der Handhabung sind und nichts ausläuft, wenn man sie im falschen Winkel eingeführt hat. Bei der Recherche nach Alternativen ist mir der Artikel meiner Kollegin Marlena über wiederverwendbare Tampons wieder eingefallen.

Wiederverwendbare Tampons? Die. Muss. Ich. Ausprobieren!

Das war das Erste, was ich nach diesem Artikel dachte. Also habe ich mir die wiederverwendbaren Tampons von ImseVimse bestellt, um sie zu testen. Für mich, und euch natürlich. 😉 To be honest, ich hatte auch hier so meine Bedenken. Besonders was die Hygiene betrifft. Werden sie nach dem Waschen wirklich wieder ganz rein sein? Gibt es ein erhöhtes Risiko für bakterielle Infektionen? Und sind sie wirklich auslaufsicher? Einige dieser Fragen werde ich mit diesem Selbsttest beantworten. Zur Klärung der gesundheitlichen und hygienischen Aspekte habe ich mir außerdem den Rat der Gynäkologin Frau Dr. Mandy Mangler geholt.

Doch bevor ich gleich meine Erfahrungen mit euch teile, hier vorab noch einmal alle wichtigen Infos zu den reusable Tampons von ImseVimse. (Für alle, die den Artikel bis jetzt noch nicht gelesen haben – shame on you 😜) Bei der Auswahl des Materials für die Tampons hat die schwedische Öko-Brand darauf geachtet, dass der Stoff besonders saugfähig, geruchsabsorbierend und hautverträglich ist.

Was den Komfort und die Handhabung angeht, sollen die wiederverwendbaren Tampons ihren Baumwoll-Kollegen wohl in nichts nachstehen. Eine Packung mit 8 Tampons ist ab 18,00 € erhältlich. Eingeführt können die Tampons etwa 4 bis 6 Stunden drinnen bleiben. Genau diese Punkte werde ich nun ganz genau unter die Lupe nehmen und checken, ob die wiederverwendbaren Tampons das einhalten, was sie versprechen. Um am Ende des Versuchs eine aussagekräftige Beurteilung geben zu können, werde ich also folgende Kriterien untersuchen:

  • Komfort
  • Funktionalität
  • Nachhaltigkeit
  • Gesundheit und Hygiene
  • Kostenpunkt

Los geht’s mit dem Selbsttest

Warum ich direkt beim Start den ersten Fehler gemacht habe…

Und da ist SIE, meine Periode (ich glaube, ich habe mich noch nie vorher so drauf gefreut). Nachdem die Tampons schon seit einigen Tagen in meinem Wohnzimmer liegen, kann ich sie nun endlich ausprobieren. Vor der Nutzung kann ich schon mal sagen, dass ich ein Fan des Packaging bin. Sie enthält kein Plastik und ist typisch schlicht, skandinavisch designed. Eine Packung enthält 8 Stück und die Tampons gibt es in den Passformen: klein, normal und groß. Von früher weiß ich noch, dass ich, je nachdem wie stark meine Tage waren, immer entweder „normal“ oder „groß“ benutzt habe. Beginnen werde ich aber erstmal mit der kleinsten Größe, einfach aus dem Grund, weil ich am ersten Tag meistens noch nicht so stark blute. Beim Einführen sehe ich bisher nur wenig Unterschiede zu den herkömmlichen Tampons. Ich dachte tatsächlich, dass sie sich ausrollen und sie sich dadurch schwieriger einführen lassen. Das war nicht der Fall. Etwas anders ist es aber trotzdem, denn die Tampons sind weicher und damit auch biegsamer als andere Tampons, sodass es ein wenig mehr Nachdruck bei der Einführung bedarf. Nach 4 Stunden habe ich den Tampon dann wechseln müssen. Ausgelaufen ist zwar nichts, aber die kleinste Größe habe ich dann auch gut ausgereizt. So, und nun ratet mal, wer die Gebrauchsanweisung der kleinen Stoff-Teile nur kurz überflogen hat? Genau, ich. Und was soll ich sagen, ich hab direkt den ersten Fehler gemacht. Denn die Tampons sollten unbedingt vor der Nutzung gewaschen werden. Eigentlich klar, neue Unterhöschen wasche ich schließlich auch vor dem Tragen und die sind nur auf und nicht in mir drin. 😅

Anyway, dann eben erstmal waschen und gut trocknen lassen. Wie ich die Tampons am besten reinige, habe ich auch Frau Dr. Mangler gefragt. Bei den Tampons sollte es schon reichen, sie mit heißem Wasser und ohne Waschmittel auszukochen. Um bakteriellen Infektionen vorzubeugen, sollten sie wirklich ganz trocken sein, bis man sie wieder benutzen kann. Also denkt bitte daran, die Tampons vor der Nutzung erstmal zu waschen und gut trocknen zu lassen. Ich hoffe jetzt mal, dass ich meinem Innenleben damit nicht all zu viel zugemutet habe, aber bisher geht es mir noch gut. Fingers crossed, dass das auch so bleibt. 🤞🏻

Ein Nachteil gibt es für mich aber bereits jetzt schon: Die Nacht. Denn ich möchte definitiv länger als 6 Stunden schlafen. Die Tampons sollten, wie bereits gesagt, nicht länger getragen werden. Einen Wecker stellen kommt für mich nicht in Frage, daher habe ich mich dazu entschieden, nachts auf meine Menstruations-Cup zurückzugreifen. Die Tampons sind dementsprechend eher etwas für den Tag.

Als ich am nächsten Tag bei meinem BF war, erzählte ich ihm von meinem Versuch. Und jetzt kommt eine Reaktion, die mich tatsächlich sehr überrascht hat. Als ich so an seinem Waschbecken stand, um den benutzen Tampon auszuwaschen, platzte er dazu und, anders als bei den herkömmlichen Perioden-Produkten, wollte er tatsächlich wissen, was abgeht. Er kam näher ran und sah mir interessiert dabei zu, wie ich das Blut herauswusch. Kein „Ups, das wollte ich nicht sehen“, sondern eher ein „Hm, schon interessant, aber richtig sauber wird es nicht wieder, oder?“. Und zack, nahm er mir den Tampon aus der Hand und probierte selbst einmal die Flecken herauszuwaschen. Völlig entsetzt, aber auch irgendwie begeistert, beobachtete ich ihn dabei. Vielleicht lag es an seinem Entdecker-Geist, dass mehr die Neugierde als Hemmung überwog, aber es hing sicherlich auch damit zusammen, dass die Tampons aus Stoff und damit nachhaltig sind. „Schließlich ist das auch ein hochwertiges Mehrweg-Produkt aus Stoff und kein Gebrauchsgegenstand für den Müll, wie andere Tampons“, ergänzte er auf meine (sehr seltene) Sprachlosigkeit.

Mehr Achtsamkeit im Umgang mit der eigenen Periode

Eine weitere Erkenntnis meinerseits ist, dass man beim Auswaschen ein anderes Gefühl für sein Perioden-Blut bekommt. 🙏 Klar, man hat es auch mal aus Versehen an den Fingern oder schaut es sich in der Perioden-Tasse an. Es bewusst anzufassen und dabei die unterschiedlichen Konsistenzen und Klümpchen zu spüren, kommt jedoch eher selten vor. Genau das bewirkte irgendwie einen achtsameren Umgang mit meinem Perioden-Blut. Ohne hierbei jetzt zu tief ins Detail zu gehen, hatte es mit jeder weiteren Handwäsche etwas Selbstverständlicheres an sich.

Meine Beurteilung

Nach einigen Tagen des Selbstversuches kann ich nun mithilfe der Kriterien die wiederverwendbaren Tampons beurteilen. Beim Komfort bin ich sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite sind die Tampons sehr weich und flexibel. In ruhigen, wie in aktiven Positionen habe ich überhaupt nichts von ihnen bemerkt, selbst bei den flexibleren Yoga-Asanas – nichts. Auf der anderen Seite gibt es einen, vielleicht im Moment nicht so relevanten Kontra-Punkt. Denn was mache ich mit den Tampons, wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin und sie auf öffentlichen Toiletten wechseln muss? Hierfür gibt es zwar eine Schachtel für unterwegs, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die ganze Zeit mit benutzen Tampons in der Tasche umherlaufen will. Und was ist mit dem Auswaschen? Warte ich so lange, bis die Luft rein ist und ich den Tampon in Ruhe am Gemeinschaftswaschbecken auswaschen kann? Eigentlich eine witzige Vorstellung, wenn dann doch plötzlich wieder jemand hineinkommt. 😜 Natürlich ist es kein Tabu-Thema und es sollte sich auch niemand dafür schämen müssen, aber leider sind wir in unserer Gesellschaft noch nicht so weit. Gerade was die älteren Generationen angeht. Und während meiner Periode will ich mich mit diesen Reaktionen nicht auch noch aussetzen müssen.

In Punkto Funktionalität haben sie bei mir aber auf jeden Fall ihr Wort gehalten. Selbst beim Yoga. Kennt ihr den Moment, wenn es plötzlich in einer Übung fließt? Ist leider schon öfter vorgekommen, aber mit den Tampons blieb alles trocken. Bis auf die Klümpchen ist das Blut eingezogen. Ich bezweifle jedoch, dass sie je wieder so weiß werden wie vorher. 😅 Das Versprechen der Saugfähigkeit konnten sie also halten und auch der Geruch wurde weitestgehend absorbiert. Anders als die Menstruations-Tasse, wenn ihr noch nie daran gerochen habt, lasst es. 😅 Aber die Tampons riechen tatsächlich, sowohl direkt nach der Nutzung als auch nach dem auswaschen, wieder ganz neutral.

» Tampons und Binden saugen das Blut auf und nehmen uns damit die Möglichkeit, das Blut besser zu sehen und zu beurteilen. «
Frau Dr. Mangler

Nun zu dem Grund, warum ich diesen Versuch überhaupt mache: Nachhaltigkeit. Im direkten Vergleich mit den herkömmlichen Tampons, sind ihre wiederverwendbaren Stoff-Kollegen zwar nachhaltig, können aber in diesem Punkt nicht mit der Menstruations-Tasse mithalten. Die Tampons müssen mehrmals gewaschen und ausgekocht werden, was sowohl Wasser als auch Strom kostet. Je nachdem, ob man die Tampons nur mit gekochtem Wasser oder mit Waschmittel in der Waschmaschine wäscht, erhöht sich natürlich der Verbrauch und ist damit weniger nachhaltig. Bleibe ich jedoch bei dem Vergleich mit den herkömmlichen Tampons, die sowohl durch die Verpackung als auch durch die Verwendung an sich viel mehr Müll verursachen, stellen die Stoff-Tampons auf jeden Fall eine tolle Zero-Waste-Alternative dar.

Zur Beurteilung der Gesundheit und Hygiene der wiederverwendbaren Tampons ziehe ich den Rat von Frau Dr. Mangler zur Hilfe. Bei der Nutzung der wiederverwendbaren Tampons empfiehlt sie, diese gut zu reinigen (ups 🙈) und vor allem vollständig trocknen zu lassen. Außerdem gilt: Je öfter man die Tampons wechselt desto besser, denn was zu lange in der Vagina bleibt hat ein höheres Risiko, eine Infektion zu bewirken. Diese Regel gilt aber für alle Perioden-Artikel. Beim Waschen der Tampons sollte es bereits ausreichen, diese mit heißem Wasser auszukochen, denn „über die Vagina kann alles mögliche in den Körper resorbiert werden, daher vorsichtig bei allem, was chemisch behaftet ist, das sollte man vermeiden.“ Aus fachärztlicher Perspektive ist sie jedoch ein Fan der Menstruations-Tassen, „weil man da das Blut sieht, riecht und viel besser einschätzen kann. Tampons und Binden saugen das Blut auf und nehmen uns damit die Möglichkeit, das Blut besser zu sehen und zu beurteilen.“

Kostenpunkt. Zugegeben, der Anschaffungspreis von 18 € pro Packung klingt erstmal viel. Generell sind Perioden-Artikel in Deutschland aus unverständlichen Gründen leider immer noch zu teuer. Eine Studie von 2019 ergab, dass jede menstruierende Frau im Durchschnitt 500€ im Jahr für ihre Periode ausgibt. Auf den ersten Blick erscheinen die reusable Tampons zwar teuer, hochgerechnet würde man mit ihnen jedoch viel Geld einsparen. Somit hat man nicht nur weniger Müll, sondern auch noch weniger Ausgaben während der Periode. 😉 Natürlich variieren die Kosten der Tampons je nach Marke. Durchschnittlich kostet eine normale Packung jedoch 3,50€. Stofftampons machen sich nach wenigen Monatszyklen bezahlt. Da die Herstellergarantie bei zehn Jahren liegt, hat man die Rechnung also bereits nach einem Jahr beglichen.

So sahen die Tampons vor und nach der Nutzung aus

Mein Fazit dieses Selbstversuches

Beim Komfort gibt es in Bezug auf das Trage-Gefühl ein Plus gegenüber den herkömmlichen Tampons, aufgrund des weichen Stoffes. Bei der Nutzung gibt es zwar in Zeiten von Home-Office kein Problem, jedoch gerade bei längeren Ausflügen fernab des heimischen Klos wird es komplizierter. Auch die Nutzungszeit von maximal 6 Stunden stellt gerade in der Nacht ein Problem für mich da. In den Punkten Funktionalität und Kostenpunkt gibt es jedoch von meiner Seite aus nichts zu bemängeln. Die Tampons halten was sie versprechen und auch der einmalig hohe Anschaffungspreis rentiert sich bereits nach wenigen Monaten. Durch die Wiederverwendung und die Einsparungen des Verpackungsmülls kann man mit diesen Tampons das Perioden-Game easy nachhaltig gestalten. Und wenn man darauf verzichten kann, dass sie nicht wieder strahlend weiß sind, reicht auch das bloße Auskochen der Tampons, anstatt viele Waschmaschinen-Gänge zu machen. Meine Bedenken in Bezug auf Hygiene und Gesundheit der Tampons konnte Frau Dr. Mangler beseitigen und wenn man sich an die Nutzungsanweisungen hält, ist man auf der sicheren Seite. Komplett auf die Tampons umsteigen, werde ich in Zukunft allerdings nicht. Um aber mal eine Abwechslung zur Perioden-Tasse zu haben, sind sie für mich eine gute nachhaltige Alternative. 

Credits: Privat

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