Was bitte ist ‚Wokefishing‘ beim Daten – und wie erkennen wir die Anzeichen dafür?

We’ve all been there. Dating – vor allem Online – kann manchmal eine ziemliche Herausforderung sein. Weil sich da auf diesen zahlreichen Portalen eben längst nicht nur wohlwollende Partner*innen (fürs Leben) fleißig tummeln. Sondern stattdessen oftmals Idioten und Idiotinnen, die ghosten, sidebarren und vielleicht sogar wokefishen.

Wait, what? Was für ein unsägliches Dating-Phänomen hat sich denn da schon wieder untergeschlichen? Yes, Leute, ihr habt richtig gelesen. Auch sogenanntes ‚Wokefishing‘ scheint aktuell ein Ding unter dating-willigen Singles zu sein.

Was sich dahinter aber nun wirklich versteckt? Ist gar nicht so leicht auf den Punkt zu bringen. Machen wir also mal ganz kurz ein kleines Gedankenspiel daraus. Stellt euch vor: Ihr seid auf der Suche nach etwas Festem. Muss nicht gleich die große Liebe sein, aber auf mehr als eine Nacht sollte es bitte schon hinauslaufen. Entsprechend swipt ihr auch wirklich nur diejenigen nach rechts, die euch aus der Bio heraus schon sympathisch sind…

Weil sie die selben Grundwerte mit euch teilen, weil sie politisch engagiert erscheinen und sich dort zum Beispiel als feministisch, antirassistisch oder klimabewusst bezeichnen. Jackpot! Das kann ja nur gut werden! Ihr geht im ersten Chat-Gespräch also direkt in die Vollen. Und fragt euren Gegenüber beispielsweise: „Was bedeutet es für dich denn eigentlich, feministisch zu sein?“. Eine der Fragen, mit denen vieles stehen und fallen kann. Die Reaktion darauf? Lang und ausführlich.

Ihr seid im Glück! Endlich mal jemand, der gesellschaftlich ähnlich eingestellt ist. Und für den sich die Feminismus-Definition nicht auf kurze Haare und Männerhass zu reduzieren scheint. Bis ihr durch Zufall feststellt: Der ausführliche Text ist Wort für Wort aus dem Artikel einer Redakteurin herauskopiert. Autsch. Wir können die Seifenblasen förmlich zerplatzen hören.

Wenn auf Worte keine Taten folgen…

Das offensichtliche Vortäuschen falscher Tatsachen tut weh. Vor allem auch, weil diese Geschichte einer Followerin der Inspirateurin Kim Hoss tatsächlich fast genau so passiert ist. Sie wurde gewokefisht. Jemand hat sich also als ‚woke‘ ausgegeben, um ihr zu gefallen… ohne es aber wirklich aus eigenem Antrieb heraus zu sein.

An dieser Stelle ein kurzer Disclaimer: Natürlich versucht im Dating-Kontext jede*r erstmal, sich von der besten Seite zu zeigen. Wir alle sind dann auf einmal aufgeweckter und aktivistischer, als wir es im Alltag jemals stemmen können. Wir alle schmücken uns vielleicht mal mit Hobbys, die wir schon seit Jahren nicht mehr praktiziert haben. Und doch gibt es rote Flaggen, die alarmieren sollten, lange bevor ihr vor dem Scherbenhaufen einer perfekten Illusion stehen müsst.

Beim ‚Wokefishing‘ unterscheiden sich meist nämlich vor allem die Worte von den Taten. Jede*r kann sich als politisch und gesellschaftskritisch beschreiben – in der Realität aber ganz anders aufgestellt sein. Verdreht euer Date beispielsweise die Augen, wenn ihr euren Kaffee mit Hafermilch bestellt? Oder den Drink am Abend ohne Alkohol? Baut der Humor auf diskriminierenden Vorurteilen auf? Dann werden sich eure politischen Gemeinsamkeiten vielleicht doch eher auf die woken Schlagwörter seiner oder ihrer Tinder-Bio beschränken.

Wokefishing oder nicht? Das ist beim Daten die Frage!

Ob ihr den Kontakt deshalb direkt abbrecht oder nicht, bleibt natürlich euch selbst überlassen. Gewarnt solltet ihr allerdings sein. Denn dieses abweichende Verhalten wird sich beim näheren Kennenlernen sicherlich nicht einfach wieder legen. Ein Wokefish bekennt sich schließlich (per Definition!) erst spät zu seinen eigentlichen Werten – und schmückt sich bis dahin mit wohlklingenden Buzzwords.

Aktivismus als Hilfsmittel zum Aufreißen

Gerade für Personen, die einer marginalisierten Gruppe angehören, kann die Erkenntnis über eine so offensichtliche Täuschung niederschmetternd sein. Und dabei geht es nicht darum, sich selbst ein wenig ins gute Licht rücken zu wollen oder noch im Lernprozess zu stecken. (Mal ehrlich: das tun wir letztlich doch alle irgendwie.) Sondern darum, beim Gegenüber vollständig falsche Tatsachen vorzuspielen. Einfach nur, weil sie nach außen hin besser klingen.

Nicht jede*r muss deshalb gleich überall eine ausformulierte und gefestigte Meinung haben. So viel steht fest. Wer die entsprechenden Bezeichnungen aber nur für sich beansprucht, um andere ins Bett zu bekommen, der darf dafür auch entsprechend bezeichnet werden. Wie wäre es stattdessen also lieber mal mit Zuhören und Weiterlernen? Mit Interesse zeigen und Vorankommen wollen? Viel lieber so, als unehrlicherweise dauer-woke zu sein. Letztlich ist es schließlich doch wieder die Ehrlichkeit, die uns zusammen wachsen – und zusammenwachsen – lässt. 🙏

Das ist dann nämlich erst so richtig woke

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