Influencerin Xenia Adonts exklusiv: „Ich habe nicht immer die richtigen Werte verfolgt“

Wenn man Xenia Adonts, High Fashion Bloggerin und Influencerin aus Hamburg, trifft, hat man sofort einige Gedanken im Kopf: Warum sieht ihr Haarschnitt an ihr so unfassbar gut aus, während man selbst damit wie einer von den Brüder Löwenherz aussähe? Wie ist es möglich, quasi keine einzige Pore im Gesicht zu haben? Und: Hat sie jemals einen Bad-Outfit-Day?!

Zugegeben, wenn man an den Beruf „Influencer“ denkt, denkt man eher an Themen, die sich auf der Oberfläche bewegen und nicht unbedingt sehr weit in die Tiefe gehen. But – here comes Xenia! ⚡️Wer sich nämlich mal ein bisschen mit der 26-jährigen Wahl-Pariserin beschäftigt, bekommt schnell die (richtige) Vermutung, dass da noch so einiges mehr hinter dem perfekten Instagram Feed ist als man beim ersten Scrollen sehen würde.

Deshalb war ich gestern mit ihr im Google Pixel Studio verabredet, und zwar auf einer Mission: trèsDEEPTALK! Und, so viel kann ich euch schon verraten… Ich war überrascht, wie klein (aber definitiv oho 🔥) die Bloggerin ist – und noch viel überraschter darüber, wie groß dagegen ihre Worte waren.

Also, schnappt euch ein Tässchen Tee oder Kaffee, Notizblock und Stift und seid gut aufmerksam, denn jetzt kommen einige #LifeLessons, die ihr nicht verpassen wollt. Und Achtung, Gänsehaut-Gefahr. 😉

TC: Xenia, kein Scherz jetzt: Ich folge dir schon seit du gerade mal etwas mehr als 1.000 Follower hattest…

X: Oh mein Gott, nein! 😂 Stunde null!

… Ja! 😆 Ich weiß also auch noch, wie du damals aussahst. Mittlerweile hast nicht nur du dich äußerlich komplett verwandelt, sondern auch dein Content. Du sprichst viel häufiger Themen mit Tiefe an. Wie kam diese Veränderung? Was ist da passiert?

Gute Frage. Ich denke darüber, um ehrlich zu sein, selbst viel nach. Ich identifiziere mich überhaupt nicht mehr mit der Person, die ich vor 5 Jahren war. Ich hatte zwar schon immer ein gutes Herz, allerdings habe ich nicht immer die richtigen Werte verfolgt. Das hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt. Wie das kam? Klar, ich wurde älter und reifer und irgendwie ist das ein natürlicher Prozess. Andererseits bekam ich mit zunehmender Followerschaft auch zunehmend Verantwortungsbewusstsein. Ich reflektiere so viel und weiß jetzt einfach, wie ich meine Follower beeinflussen sollte.

Heißt das, du fühlst dich dazu verpflichtet, einen größeren Mehrwert zu liefern als nur Fashion- und Beauty-Tipps?

Auf jeden Fall. Ich finde „Fashion“ kannst du dir überall holen. Und jeder Influencer sollte ja auch ein Alleinstellungsmerkmal haben. Dadurch, dass ich so ein tolles persönliches Umfeld habe – meine Mama z.B., die der größte Engel auf Erden ist – kann ich das gut nutzen, um anderen Energie, Kraft und Inspiration für ihr eigenes Leben zu geben.

Und die richtigen Werte. Damals hatte ich leider selbst niemanden, der mir das so aufgezeigt hat. Ich bin eben den Fashion-Leuten bei Instagram gefolgt, fühlte mich aber nie von ihnen inspiriert. Wenn ich zurückblicke, denke ich mir oft: Krass, dass ich in der Situation so unhöflich war. Ich wusste es eben einfach nicht besser.

Mit deinem oft gesellschaftskritischen Inhalt hast du auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal! Eckst du damit in der Branche manchmal auch an?

Hmm, ich glaube nicht. Zumindest interessiert es mich nicht, falls dem so wäre. Was ich aber merke ist, dass die Leute aus der Branche einem mit steigendem Erfolg echt das Messer in den Rücken stechen.

Denkst du das ist speziell in der Modebranche so ein typisches „Ding“?

In der Mode ist es sicherlich extrem, aber ich denke mir immer: Okay, was mir passiert, das widerfährt auch anderen Leuten… Schauspielern, Sängern, egal in welcher Branche. Sobald sich jemand von der Menge abhebt und die Chance auf etwas richtig Cooles hat, gilt er in den Augen der anderen als arrogant, das ist einfach so.

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» Manchmal (...) fühle ich mich so privilegiert, dass es fast weh tut. «
Xenia Adonts

Für viele sind Themen mit größerer sozialer Bedeutung im Zusammenhang mit Mode immer noch ein Widerspruch. Fühlst du dich selbst manchmal im Zwiespalt?

Ich glaube, schwierig ist bei mir gar nicht die Mode an sich, sondern der Aspekt des Konsums, mit dem ich hadere.  Manchmal, oder sehr oft sogar, fühle ich mich… naja, nicht schlecht, aber dann fühle ich mich so privilegiert, dass es fast weh tut. Genau deshalb will ich in Zukunft auch etwas aufbauen, das der Gesellschaft einen Mehrwert bietet. Ich finde, wenn man Glück im Leben hatte und privilegiert ist, muss man das nutzen, um seinen Einfluss richtig auszuüben.

Naja, man kann dir echt nicht nachsagen, dass du nur Glück hattest. Du hast auch hart gearbeitet. 

Ja, ich habe sehr hart gearbeitet, und zwar viel härter,als die Leute sich das vorstellen können. Aber es gehört trotzdem Glück dazu. Und eigentlich darf ich darüber gar nicht nachdenken, weil mich das fertig macht, aber… Ein Arzt zum Beispiel, der gibt so viel auf. Er schläft nicht, er rettet Leben, hat so viel emotionalen Stress und verdient trotzdem nur so viel, dass er seine Familie gerade so über die Runden bringen kann. Es gibt einfach so viel Ungerechtigkeit, das ist echt… Ne, darüber kann ich einfach nicht nachdenken.

Puh, ja… Und so viele kleine Mädchen eifern dir nach und schreiben dir täglich, dass sie so sein wollen wie du. Was antwortest du denn jemandem, wenn er sagt, er will Influencer werden?

Ich finde das gefährlich. Ich selbst bin das nie so angegangen und habe gesagt, dass ich so und so viele Follower haben will. Das war nie, nie, nie meine ursprüngliche Absicht. Klar, irgendwann wurde es strategisch, aber am Anfang habe ich mich einfach nur daran erfreut, schöne Bilder zu teilen, das war auch schon vor Instagram, Likes oder Followern so. Sogar bei Facebook damals habe ich schon so viele Gedanken in meine Bildsprache gesteckt. Das ist einfach in mir drin.

Das merkt man auch. Ich finde, was die Ästhetik deiner Fotos angeht, bist du schon besonders!

Danke, ich gebe mir auch wirklich große Mühe! Wichtiger ist aber, dass ich mich so weiterentwickle, dass mein Einfluss auch wirklich von Bedeutung für die Leute ist.

Siehst du dich in den nächsten 10 Jahren denn noch in dem Beruf?

Ich weiß es nicht. Ich denke, das Thema Fashion wird schon ein großer Teil meines Lebens bleiben. Ich will in Zukunft aber mehr in Richtung soziale Arbeit gehen. Ich werde ganz häufig für kleine Charity-Aktionen angefragt, ich möchte aber für eine große Sache stehen, weißt du? Sonst gibt es keine richtige Assoziation mit mir. Ich will eine Sache haben, für die ich mich ganz doll einsetzen kann, damit die Leute das auch besser verstehen. Wenn man immer von einem kleinen Projekt zu einem anderen springt, kapiert das niemand mehr und dann ist auch das Interesse weg. Deswegen überlegen wir gerade, in welche Richtung wir da gehen wollen. (Anmerkung der Redaktion: Mit „Wir“ meint Xenia ihren Freund und Manager Jürgen, mit dem sie seit 7 Jahren zusammen ist.)

Was würdest du denn machen, wenn Instagram morgen komplett gelöscht werden würde?

Auf jeden Fall etwas Kreatives! Was ich liebe, ist Musik. Ein großer Traum wäre es, DJane zu werden. Dafür hab‘ ich leider noch nicht die Zeit gefunden, obwohl wir uns sogar schon ein DJ-Set gekauft haben! 😄 Ich bin echt total Musik obsessed.

Was war die schönste und was die verletzendste Message, die du je von einem Follower bekommen hast?

Ich höre ganz oft, dass ich für viele wie eine große Schwester sei. Es ist so krass – ich vergesse ständig, wie groß meine Reichweite ist. Ich poste auf Stories ja einfach immer total zufällig alles, was mir im Kopf rumschwirrt, quasi in Echtzeit. Und dann bekomme ich manchmal echt Nachrichten, dass jemand bedeutende Entscheidungen aufgrund meines Einflusses getroffen hat. Und das Verletzendste? Hm, schwierig. Hate-Kommentare nehme ich mir prinzipiell nie zu Herzen. Zum Glück bekomme ich gar nicht so viele, da meine Community toll ist. Und wenn doch, dann hab ich sie jetzt schon wieder vergessen – ich verdränge grundsätzlich immer alles Negative. Aber alles, was konstruktive Kritik angeht, ist mir immer sehr wichtig.  Wenn ich zustimme, setze ich sie immer um. Das ist das Wertvollste, was ich bekommen kann – und ich glaube, deshalb habe ich mich auch so sehr verändert.

» Das ständige Onlinesein ist Gift. «
Xenia Adonts

Fühlst du dich manchmal vom ständigen Onlinesein erschöpft? Ich würde mein Handy an manchen Tagen ja am liebsten selbst aus dem Fenster werfen. 😂 Und bei dir muss das ja noch viel extremer sein… 

Oh ja, das ist der größte Preis, den man bezahlen muss. Das sehen viele ja gar nicht. Dazu gehört bei mir genau dieses Nie-abschalten-können. Ich kann in diesem Job nie einfach mal frei nehmen oder so. Ständig denke ich: Das muss ich noch machen, jenes muss ich noch tun… Das ständige Onlinesein ist echt Gift.

Dann hast du also gar keinen Top-Tipp, um leere Akkus mal wieder so richtig aufzuladen?

Naja, ich habe keine Probleme damit, das Handy mal für ein paar Stunden wegzulegen. Schwieriger ist es eher, im Kopf abzuschalten. Das, was für mich persönlich am besten ist, ist draußen in der Natur zu sein. Zu joggen, zu spazieren, oder auch einfach mit der Familie sein. Da komme ich wenigstens mal kurz auf andere Gedanken.

Zu guter Letzt: Wenn du alle Influencer dieser Welt zu einer Sache auffordern könntest, welche wäre das?

Nutzt eure Reichweite für etwas Gemeinnütziges! Das machen viel zu wenige. Und das finde ich arrogant.

Okay, Applaus. 😳👏🏼

Man kann von Influencern denken, was man will. Wer sich aber wirklich die Zeit nimmt, Xenia Adonts zuzuhören, sollte spätestens jetzt die Ansicht vertreten, dass sie viel mehr ist als das. Während des Gesprächs musste ich wirklich ab und zu mal schlucken. Und – wie deine Fans jetzt sagen würden – hatte fast selbst schon das Gefühl, mit einer Schwester zu reden. 😬

Tausend Dank für deine Offenheit und Ehrlichkeit, das tolle Interview und abschließend lässt sich nur noch sagen: Wir sind alle sehr gespannt, wohin deine Reise in Zukunft noch geht. Aber wir sind uns sicher: Sie wird wunderbar.

 

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