Euch kommen auf der Matte manchmal die Tränen? Darum ist es normal, beim Yoga emotional zu werden

Confession Corner: Nachdem ich jahrelang glaubte, Yoga sei ein völliger Overhype, meldete ich mich vor einigen Wochen aus einer spontanen Laune heraus in einem Studio an. Irgendwas muss ja dran sein, wenn alle das so lieben. Was ich mir erhoffte? Eine gute Mischung aus Training für den Körper und den Geist. Es gibt Zeiten, in denen ich exzessiv trainiere und exzessiv meditiere. Es gibt aber auch Zeiten, in denen ich das exzessiv vernachlässige. Ein Mittelweg muss her, eine Kombination. Ein Weg, um nach Feierabend abzuschalten und am Wochenende gut in den Tag zu starten. Ein Grund, um das Haus zu verlassen, auch wenn mir gerade vielleicht nicht danach ist (wer den gebuchten Kurs zu spontan absagt, zahlt eine Extragebühr).

Was soll ich sagen? Downward Dog, Happy Baby und Warrior belehrten mich eines Besseren: Yoga ist kein Overhype. Und einmal auf der Matte während einer „Restore“-Class, die sich eher auf langsame Bewegungen, Dehnungen und meditative Atemübungen konzentriert, spürte ich da etwa… Tränen in meinen Augen?! Und wo, bitte, kamen die her? Beim Meditieren ist es nicht unüblich für mich, von Emotionen ergriffen zu werden, aber in einem Raum mit Fremden Leuten beim „Dehnen“? Confusing.

Und eigentlich doch nicht so confusing – es ist nämlich ganz normal, dass es einen beim Yoga mal überkommen kann, wie ich jetzt weiß. Es geht euch auch so? Hier kommen die Gründe.

Darum kann sich beim Yoga die ein oder andere Träne anbahnen

Wenn wir ein Yogastudio betreten, stellt das für sich alleine oft schon ein Kontrast zum Rest des Tages her. Vielleicht hatten wir viel Stress beim Arbeiten, hetzten von A nach B, vielleicht gab es unangenehme Situationen mit Freunden oder Familie – und plötzlich ist alles ruhig und zwingt einen, sich mit den Gedanken und dem Körper auseinanderzusetzen. Der perfekte Ort, um verdrängten Gefühlen freien Lauf zu lassen.

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Emotionen sitzen nunmal  im Körper – ganz besonders im Hüft- und Beckenbereich, wie Yoga-Lehrerin Kathryn Budig Bustle erklärt:

„Die Theorie besagt, dass sich unverarbeitete Emotionen und Ängste dort und in den umgebenden Muskeln speichern. Wenn man diese körperlichen löst, ist es nicht verwunderlich, dass auch die emotionalen verschwinden möchten. Man fällt quasi aus seinem Alltag und in seinen Körper hinein, was oft bedeutet, dass man sich von Angesicht zu Angesicht mit verdrängten Gefühlen konfrontiert sieht.“

Und das sei auch gut so, wie es Kristin Rübesamen, Chefredakteurin und Lehrerin bei der Online-Plattform YogaEasy, schön ausdrückt: „Wir betrachten diese Gefühle nicht als Ballast, den wir um jeden Preis loswerden müssen. Das Leben schenkt uns Gefühle, gute wie schlechte. Unser Job als Yogis ist es, uns bewusst zu werden, was gerade los ist, und nichts unter den Teppich zu kehren. Als Lehrer*in navigiert man seine Schüler*innen durch die hohe See. Klingt ein bisschen pathetisch, ist aber so. Wir behalten den Überblick und signalisieren den anderen, dass es völlig in Ordnung ist, wenn Tränen fließen.“

Diese Positionen können sich besonders emotional anfühlen

Wir stellten bereits fest, dass Hüftöffnungen Emotionen oft ans Tageslicht befördern. Dazu gehören zum Beispiel allen voran die Lizard oder Pigeon Posedas Happy Baby oder der Yogi SquatAlles, was die Region rund um das Becken und die Hüfte – die wir sehr gerne mal vernachlässigen – intensiv dehnt. Aber auch Rückbeugen wie das Kamel, wenn sich, wie Rübesamen erklärt, das „Herz öffnet“, können starke Gefühle auslösen. Und ja, Achtung, sogar Savasana (meistens Anfangs- und Endposition), wo man einfach nur auf dem Rücken liegt und auf seinen Atem achtet, ist ein perfekter Kandidat für Tränen.

Ich kann das 1:1 so unterschreiben, es blieb nämlich nicht bei dem einen Mal, bei dem ich dachte: Na hoppla, woher kommt Sentimal-Anni jetzt auf einmal? Da dehne ich mich mit jedem Atemzug tiefer und tiefer in meine Hüftöffnung und zack, spüre ich diese warme, leicht kribbelnde Welle durch meinen Körper fahren, die in letzter Instanz meine Augen nässt.

„Es ist immer besonders emotional, wenn Schüler*innen sich in der Praxis öffnen und sichtlich etwas in Gang kommt. Wie schön, wenn Menschen, die gerade in einem schwierigen Prozess stecken, in der Praxis Trost finden. Einmal kam eine Schülerin zu mir, die innerhalb von Tagen beide Eltern verlören hat, und sagte: ‚Alleine zu fühlen, was gerade passiert, und das zuzulassen, hilft’“, erzählt Rübesamen, als ich sie nach ihrem bisher emotionalsten Erlebnis als Instructor während einer Class frage.

Und mal ehrlich, ganz abgesehen von solch furchtbaren Schicksalsschlägen, die das Leben manchmal mit sich bringt, befinden wir uns in der aktuellen Corona-Zeit wohl gerade ausnahmslos alle in einem Ausnahmezustand, der an den Nerven zerrt. Auch das macht sich in den Yogastudios bemerkbar: Immer mehr Leute suchen in diesen verunsichernden Monaten Zuflucht und Halt auf der Matte für inneren Frieden und einen klareren Kopf.

Was tun, wenn die Gefühle auf der Matte hochkommen?

Hier sind sich alle Lehrer*innen einig: einfach zulassen. Was raus will, sollte raus dürfen. Wir wissen jetzt ja, dass dieses Phänomen ganz und gar nicht abnormal oder schambehaftet ist. Instructor Kelly Clifton Turner findet gegenüber Bustle treffende Worte: „Gebt euren Emotionen die Erlaubnis, zu leben. Es ist vielleicht nicht einfach oder angenehm, aber ein Yoga-Raum sollte ein sicherer Ort sein, um zu verarbeiten und zu heilen. Wenn das Unbehagen nicht körperlicher Natur ist, sondern von einem mentalen oder spirituellen Ort kommt, bleibt in der Pose, solange ihr eurem Lehrer und dem Raum, in dem ihr euch befindet, vertraut.“ 

So rät auch Rübesamen, es einfach laufen zu lassen, achtsam zu sein und sich ruhig und mit Mitgefühl zu beobachten, denn: „Wenn wir uns innerlich aufrichten, stützen wir uns gegenseitig.“

Perfektes Schlusswort.

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