Lisa Marie Knitter
19.02.2017 von Lisa Marie Knitter

Eine Zyklus-App wurde erstmals zum Verhütungsmittel erklärt

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Das gab es noch nie: Erstmals wurde eine Zyklus-App als zuverlässige Verhütungsmethode anerkannt. Die App „Natural Cycles“ darf ab sofort die selbe Kennzeichnung tragen wie Kondome. Falls euch in dieser Sekunde ein „krass“ oder „boah“ über die Lippen kommt, können wir euch nur zustimmen. Für die Medizin könnte diese Entwicklung wirklich wegweisend sein.

Viele Menschen halten hormonfreie Verhütungsmethoden immer noch für unsicher. Doch in den letzten Jahren hat sich einiges verändert. Und das nicht nur in der Pharmaindustrie, sondern auch im Bewusstsein von Frauen. Denn viele von ihnen entscheiden sich mittlerweile bewusst für eine Verhütung, die nicht auf Hormonen basiert. Dass nun aber ausgerechnet eine Smartphone-App als Verhütungsmittel deklariert, ist wirklich bahnbrechend.

Die App „Natural Cycles“ stammt von der schwedischen Nuklearphysikerin Elina Berglund Scherwitzl. Gegenüber Wired sagte sie: „Ich wollte meinem Körper eine Pillenpause gönnen, habe aber keine gute natürliche Verhütungsmethode gefunden. Also habe ich einfach selbst einen Algorithmus geschrieben.“ Zusammen mit ihrem Mann gründete sie 2013 das Unternehmen.

Aber wie funktioniert „Natural“ Cylces?

Benutzerinnen der App müssen jeden Morgen und vor dem Aufstehen ihre Körpertemperatur unter der Zunge messen. Die Daten werden anschließend in die App eingetragen, woraus der Algorithmus den eigenen Zyklus errechnet. Handelt es sich um einen unfruchtbaren Tag, gibt die App grünes Licht, ist man gerade fruchtbar, leuchtet es rot. An diesen Tagen muss natürlich zusätzlich mit einem Kondom verhütet werden.

Ähnlich wie die Kritiker der App denkt ihr jetzt sicherlich auch, dass solche Berechnungen doch niemals zuverlässig sind, oder? Doch Faktoren wie Zyklusschwankungen und die Überlebensdauer der Spermien haben die Entwickler der App bereits in den Algorithmus einbezogen. „Natural Cycles“ hat einen Pearl Index von 0,5, das bedeutet, dass im Durchschnitt fünf von 1.000 Frauen während eines Jahres schwanger werden, weil ihnen fälschlicherweise ein „grüner Tag“ angezeigt wurde. Zum Vergleich: Der Pearl-Index von Kondomen wird mit 2 – 12 angegeben. Die Pille liegt bei 0,1 – 0,9 (Minipille bis 0,14 – 3). Auch Geschlechtsverkehr ohne die Anwendung von Verhütungsmitteln hat einen Pearl-Index, dieser liegt bei 60 – 80.

Eine Langzeitstudie zu „Natural Cycles“ gibt es leider noch nicht. Die App wurde bisher in einer einjährigen Studie ausführlich getestet. Bei 4.000 Teilnehmerinnen zwischen 20 und 35 Jahren kam es im Testzeitraum zu insgesamt 143 ungeplanten Schwangerschaften, wovon nur zehn an fruchtbaren Tagen entstanden. Die Entwickler bewerteten die App deshalb mit einer medizinischen Zuverlässigkeit von 99,5 Prozent.

Hauptsächlich für Frauen in fester Partnerschaft geeignet

Die Sicherheit der App hängt aber natürlich auch an der sachgerechten Anwendung der Nutzerinnen. Das regelmäßige Messen der Temperatur verlangt vor allem Disziplin. Hormonfreie Verhütungsmethoden, wie die App, sind vor allem Frauen in festen Partnerschaften empfohlen, denn vor sexuell-übertragbaren Krankheiten kann die App natürlich nicht schützen.

Da es sich bei der App „Natural Cycles“ laut EU-Gesetz um ein Medizinprodukt mit einer erhöhten Risikoklasse handelt, musste die Zulassung von einer „unabhängigen benannten Stelle“ überprüft werden. Im Fall von „Natural Cycles“ hat die TÜV SÜD Product Service GmbH kontrolliert, ob die App bestimmten europäischen Richtlinien entspricht. Die TÜV-Prüfung umfasste sowohl die Überprüfung der technischen Dokumentation, als auch die Zertifizierung des Qualitätsmanagementsystems. Auf Basis dessen hat der TÜV SÜD die Übereinstimmung von „Natural Cycles“ mit den gesetzlichen Vorgaben bestätigt. Damit darf das Produkt ab sofort mit der Kennzeichnung „CE 0123“ als Medizinprodukt in den europäischen Handel gebracht werden. Das Bewertungsverfahren des TÜVs macht jedoch keine Aussage zur Zuverlässigkeit der Verhütungsmethode.

Werden die Kosten der Zyklus-App bald von der Krankenkasse übernommen?

Im nächsten Schritt wollen die Entwickler von „Natural Cycles“ mit dem britischen National Health Service kooperieren. Sie wollen, dass ihre App in Großbritannien – wie die Pille auch – vom Arzt verschrieben und die Kosten bis zu einem gewissen Alter von der Krankenkasse übernommen werden. Zurzeit ist „Natural Cycles“ als Monats-Abo für 8,99 Euro bzw. 64,99 Euro als Jahres-Abo im App-Store bzw. im Google Play-Store zu erwerben.

Wie immer gilt aber auch hier: Sprecht unbedingt mit eurem Frauenarzt oder eurer Frauenärztin, bevor ihr eure Verhütungsmethode wechselt!

So funktioniert „Natural Cycles“:

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Mehr über: App, Sex, Smartphone, Liebe, Pille, Verhütung, Kondom, Partnerschaft, Frauenärztin, Zyklus
Credits: instagram.com/naturalcycles
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