Du hast immer wieder die gleichen Beziehungs-Probleme? Dann könnte es an diesem Kinderbuch liegen!
Du gerätst IMMER an Männer, die sich nicht festlegen wollen? Du findest Typen besonders spannend, wenn sie irgendwie unerreichbar sind? Oder hältst du große Gesten, ein bisschen Drama und „Ich kann ihn ändern!“ noch immer heimlich für ziemlich romantisch? Dann haben wir eine Frage: Was hast du eigentlich als Kind gelesen und geschaut?
Denn vielleicht begann unser fragwürdiger Männergeschmack nicht erst mit dem ersten Tinder-Date. Sondern sehr viel früher. Mit einem fliegenden Jungen, der partout nicht erwachsen werden wollte. Einem Straßenjungen, der seiner Angebeteten erst einmal eine komplett neue Identität auftischte. Oder einem rothaarigen Kobold, der grundsätzlich nur dann auftauchte, wenn ER gerade Lust darauf hatte. Peter Pan, Aladdin, Pumuckl – wir müssen reden.
Und genau das tut Autorin Edith Löhle in ihrem neuen satirischen Roman „Kurzer Prozess“. Sie stellt die Held:innen, mit denen wir groß geworden sind, kurzerhand vor Gericht – und plötzlich lesen sich einige unserer liebsten Kinderfiguren verdächtig wie Menschen, vor denen uns heute jede Freundin per WhatsApp-Sprachnachricht warnen würde.
War Aladdin eigentlich ein Love-Bomber?
Okay, wir wollen Aladdin jetzt nicht nachträglich ruinieren. ABER: Ein Mann lernt eine Frau kennen, erfindet eine andere Identität, inszeniert sich als wohlhabender Prinz und fährt eine romantische Großoffensive, um sie von sich zu überzeugen?
2026 würden wir zumindest kurz in die Mädelsgruppe schreiben: „Ähm Leute, findet ihr das normal?!“
Müssen wir Peter Pan jetzt canceln?
Und Peter Pan? Ein charmanter Typ, der aufregend ist, Abenteuer verspricht und gleichzeitig eine ziemlich klare Ansage macht: Er wird niemals erwachsen. Kennen wir.
Pumuckl wiederum verschwindet regelmäßig und taucht irgendwann einfach wieder auf. Heute hätten wir dafür immerhin ein Wort: Ghosting.
Natürlich sind Kinderfiguren keine echten Dating-Profile und Märchen keine psychologischen Ratgeber. Und niemand bekommt automatisch Bindungsprobleme, weil Mama früher Peter Pan vorgelesen hat. Genau diese Übertreibung macht die Idee aber so lustig – und gleichzeitig erstaunlich interessant. Denn Geschichten prägen schließlich auch unsere Vorstellungen davon, was romantisch, schön, mutig, weiblich, männlich oder erstrebenswert ist.
Und wenn wir unsere alten Held:innen mit unserem heutigen Blick betrachten, wird es stellenweise ziemlich wild. Und jetzt stell dir vor, sie müssten sich dafür verantworten Genau hier setzt „Kurzer Prozess“ an.
Edith Löhle lässt die Ikonen unserer Kinderzimmer tatsächlich vor dem Internationalen Moralgerichtshof antreten. Die Plüschigen, die Maskierten, die Märchenprinzen – alle müssen sich erklären.
Verhandelt werden dabei nicht nur schräge Beziehungsideale, sondern auch toxische Schönheitsvorstellungen, Minderwertigkeitskomplexe, Rollenbilder und Werte, die uns diese Geschichten möglicherweise mitgegeben haben.
Im Zentrum stehen Chefanklägerin Neda und Reporterin Lexi. Während Neda den großen Prozess vorbereitet, wittert Lexi die Story, die sie endlich in die Prime Time bringen könnte. Nur wird aus dem vermeintlich eindeutigen Fall nach und nach etwas sehr viel Komplizierteres.
Denn plötzlich lautet die Frage nicht mehr nur: „Wie problematisch waren eigentlich unsere Kinderheld:innen?“ Sondern auch:
„Können wir Geschichten von damals überhaupt ausschließlich nach unseren heutigen Maßstäben beurteilen?“
Und DAS finden wir eigentlich noch viel spannender. Müssen wir jetzt Peter Pan canceln? Bitte nicht.
Der interessante Gedanke hinter dem Buch ist gerade nicht, dass wir sämtliche Figuren unserer Kinderzimmer nachträglich auf die Red-Flag-Liste setzen müssen.
Sondern dass wir einmal genauer hinschauen dürfen.
Warum finden wir den unerreichbaren Mann so wahnsinnig interessant? Warum galt Eifersucht so lange als Liebesbeweis? Warum muss in so vielen Geschichten die Frau wunderschön sein – während der Mann problemlos als grummeliger Sonderling durchkommt? Und warum ist der Typ, der sich partout nicht festlegen will, ausgerechnet derjenige, den alle retten möchten?
Vielleicht erkennen wir darin nichts von uns wieder.
Vielleicht aber auch erschreckend viel. 👀
Und genau deshalb funktioniert die Idee von „Kurzer Prozess“ so gut: Sie nimmt etwas maximal Vertrautes und betrachtet es einmal mit unserem erwachsenen 2026-Blick.
Plötzlich wird aus „Achhhh, den habe ich als Kind GELIEBT!“ ein:
„Moment. WAS genau hat der da eigentlich gemacht?!“
Und spätestens dann möchten wir wissen:
Welche Kinderbuchfigur müsste bei euch als Erstes auf die Anklagebank – und welche würdet ihr trotz aller Red Flags bis heute verteidigen? 😭😂
Edith Löhles „Kurzer Prozess“ ist am 16. September bei Blumenbar/Aufbau erschienen.

